Moin in die Runde,
der Künstlichen Intelligenz stehe ich bislang mit einer gewissen Ambivalenz gegenüber. Einerseits sehe ich sehr deutlich die Auswirkungen, die sie auf zahlreiche Berufe und Arbeitsfelder haben wird. Andererseits beschäftigt mich auch die Frage, wie selbstverständlich KI-generierte Inhalte oftmals als „wahr“ oder verlässlich wahrgenommen werden, obwohl sie nicht selten Fehler enthalten oder Informationen überzeugend, aber dennoch falsch darstellen.
Gleichzeitig bin ich in den vergangenen Wochen zunehmend von den Möglichkeiten beeindruckt worden, die diese Technologie bietet.
Wenn ich daran denke, wie viele Stunden – manchmal sogar Tage – ich früher als Fotograf an aufwendigen Composings gearbeitet habe, erscheint vieles heute beinahe unglaublich. Mit präzise formulierten Prompts lassen sich innerhalb weniger Minuten Bilder erzeugen, für deren Erstellung früher ein erheblicher Zeit- und Arbeitsaufwand notwendig gewesen wäre.
Die Ergebnisse begeistern mich oft durch ihre Kreativität und technische Qualität. Gleichzeitig fordern sie mich aber auch dazu auf, genauer hinzuschauen und kritisch zu prüfen, was mir präsentiert wird. Denn je überzeugender die Resultate werden, desto wichtiger wird es, zwischen beeindruckender Darstellung und tatsächlicher Realität unterscheiden zu können.
Genau dieses Spannungsfeld zwischen Faszination und kritischer Betrachtung macht das Thema KI für mich derzeit so interessant.
So war ich schon seit 2018 auf der Suche nach Informationen, wie der alte Münzel-Kran beschriftet war. Schließlich soll auf meinem Nachbau kein Phantasie-Text stehen.
Auf der folgenden Ausschnittsvergrößerung eines alten Bildes von meinem Vater war das Entziffern bislang mit keinem Vergrößerungtool befriedigend zu lösen. Auch diverse "Bild-Schärfungstools" ließen nur undeutliche Schriftzeichen erkennen.
Münzel Kran-Beschriftung_01 (fspg2)
Nachdem ich schon gleich am Anfang in verschiedenen Archiven, Museen, ebenso bei Privatpersonen und auch bei der örtlichen Zeitung nach weiteren Informationen gefragt hatte, konnte ich freundlicherweise vom Elbschifffahrtsarchiv in Lauenburg (heute Deutsches Binnenschifffahrtsarchiv) zwei Bilder erhalten. Sie dienten hauptsächlich für die Konstruktion des Krans und des damals danebenstehenden Sand-Bunkers.
Die genaue Beschriftung blieb bis vor kurzem jedoch verborgen. Lediglich Aussenhafen konnte ich auf der Rückseite des Kranhauses entziffern.
Um so erfreuter war ich als ich dann durch ChatGPT einen Hinweis auf die Facebook-Seite vom Heimatbund Lauenburg erhielt und dort tatsächlich zwei wunderbare Aufnahmen dieses Kranes mit der gut lesbaren Beschriftung fand.
Das erste Bild zeigt die alte Version der Auslegerverstellung mit der großen "Seilscheibe" zum Höhenverstellung des Auslegers. Ebenso kann man noch die alte Adresse lesen:
Walter Münzel
Hafen - Umschlag – Betrieb
Reederei – Bunkerstation
Lauenburg/E
Hafenstr 15. Telefon 280
Münzel Kran-Beschriftung_06 (fspg2)
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
Das zweite Bild zeit die spätere Ausführung mit dem Elektro-Antrieb zur Verstellung des Auslegers.
Ebenso hat sich die Beschriftung geändert.
Walter Münzel
Hafen - Umschlag – Betrieb
Bunkerstation
Kies u. Mörtelvertrieb
Münzel Kran-Beschriftung_02 (fspg2)

gefunden auf:
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
In der 100% -Ansicht dieses Bildes sieht man das Raster vom Zeitungsdruck.
Noch einmal der Hinweis zur großen Ansicht: (ein Klick auf das jeweilige Bild - ein zweiter Klick in der jetzt erscheinenden Galerie zeigt die 100%-Ansicht)
Durch meine Neugier getrieben, ließ ich dieses Zeitungsbild durch ChatGPT entrastern und kolorieren :
Münzel Kran-Beschriftung_03 (fspg2)

gefunden auf:
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
Das Ergebnis macht farbig schon ein recht überzeugenden Eindruck, aber was war mit der Schrift passiert
Während sich die Bildqualität insgesamt deutlich verbessert zu haben schien, hatte sich die Inschrift auf dem Kran auf eine Weise verändert, die sofort Zweifel aufkommen ließ. Dies war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass KI-basierte Bildverbesserungs- und Restaurierungstools nicht nur vorhandene Informationen sichtbar machen – sie können Details auch interpretieren, rekonstruieren oder sogar erfinden, wenn die Originaldaten unklar sind.
Für mich war dies ein perfektes Beispiel sowohl für die Stärken als auch für die Grenzen der künstlichen Intelligenz. Das Bild sah realistischer und optisch ansprechender aus, doch gerade das Detail, das mich am meisten interessierte – die historisch korrekte Beschriftung – war weniger vertrauenswürdig geworden. Es zeigte, wie wichtig es ist, KI-generierte Ergebnisse anhand von Originalquellen zu überprüfen, wann immer historische Genauigkeit erforderlich ist.
Münzel Kran-Beschriftung_04 (fspg2)

gefunden auf:
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
Durch die anschließende KI-Schärfung wurde weitere Dinge verändert: so zum Beispiel das Nummernschild des LKWs erhielt eine andere Zahlen!
Also fragte ich den KI-Bot, wie ich meinen Prompt hätte formulieren müssen, dass alles korrekt erscheint.
Die Antwort war sehr ausführlich:
Historische Fotorestaurierung eines Schwarzweißfotos.
Originalmotiv absolut unverändert beibehalten.
Nur folgende Arbeiten ausführen:
• Druckraster und Moiré-Muster entfernen (Entrastern).
• Filmkorn vorsichtig reduzieren.
• Kontrast lokal optimieren.
• Tiefen und Schatten aufhellen.
• Helle Bereiche erhalten.
• Originalkonturen schärfen.
• Beschriftungen lesbarer machen, aber keine Buchstaben ergänzen.
• Originalperspektive unverändert lassen.
• Keine Rekonstruktion fehlender Bildinformationen.
• Keine neuen Objekte hinzufügen.
• Keine Personen verändern.
• Keine Gesichter neu zeichnen.
• Keine Fahrzeugdetails ergänzen.
• Keine Veränderungen an Kran, Seilen, Fachwerk, Fenstern oder Beschriftungen.
• Keine künstlichen Holzstrukturen.
• Keine KI-Nachzeichnung.
Anschließend behutsam kolorieren:
• Farbtöne der 1950er Jahre.
• Realistische, entsättigte Farben.
• Nur dort kolorieren, wo Bildinformationen vorhanden sind.
• Unklare Bereiche neutral belassen.
• Keine Fantasiefarben.
• Keine erfundenen Details.
Ziel:
Archivgerechte Restaurierung und Kolorierung unter vollständigem Erhalt aller Originaldetails.
Dokumentarische Rekonstruktion, keine künstlerische Interpretation.
Beschriftungen, Fachwerkstreben, Seilführungen, Lagerungen, Fensterteilungen und Blechkanten müssen pixelgenau dem Originalfoto entsprechen. Jede geometrische Veränderung ist unzulässig.
Das ist der entscheidende Satz, der viele KI-Systeme davon abhält, Fachwerk, Kranteile oder Fahrzeugdetails umzubauen. Allerdings bleibt das Problem bestehen: Generative Bild-KIs können diese Vorgabe nicht immer einhalten. Für wirklich vorbildgetreue Restaurierungen historischer Hafenfotos sind klassische Werkzeuge wie Photoshop (Dust & Scratches, DeScreen, High Pass), Affinity Photo oder spezielle Restaurierungssoftware meist zuverlässiger als eine generative KI.
Also gleich eingesetzt, erhielt ich das folgende Bild:
Münzel Kran-Beschriftung_05 (fspg2)

gefunden auf:
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
Auch hier gibt es einen sehr gravierenden Fehler!
Münzel Kran-Beschriftung_08 (fspg2)
Den gleichen neuen Prompt bei diesem älteren Kranbild eingesetzt, ergab in der Beschriftung ebenso neue Fehler!
Münzel Kran-Beschriftung_07 (fspg2)
https://www.facebook.com/HeimatbundLaue ... cale=de_DE
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich nach der Erzeugung eines neuen Bildes mit einem KI-System oft lohnt, die KI selbst zu bitten, das Ergebnis auf Plausibilität und Genauigkeit zu überprüfen.
Dadurch werden häufig zusätzliche Schwachstellen, Unstimmigkeiten oder potenzielle Fehler aufgedeckt, ebenso wie Vorschläge für verbesserte Prompt-Formulierungen.
Diese Verfeinerungen können dann in den nächsten Prompt einfließen und in einer weiteren Iteration getestet werden.
Bei der Erstellung von 3D-Figuren für den Harzdruck und der Integration von Gesichtern realer Personen habe ich manchmal fünf oder sechs Korrektur- und Verfeinerungsrunden durchlaufen, bevor ich mit dem Endergebnis zufrieden war.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich die KI nicht so sehr von gewöhnlichen Menschen – wir alle machen Fehler.
Der Unterschied besteht darin, dass eine KI diese Fehler in der Regel anerkennt, wenn sie darauf hingewiesen wird, und in vielen Fällen sogar dabei helfen kann, sie zu identifizieren und zu korrigieren.
Ich persönlich finde diese Entwicklung faszinierend. Auch wenn die Stunden oft wie im Flug vergehen, während ich auf ein zufriedenstellendes Ergebnis hinarbeite, bleibt der Prozess selbst interessant und lohnend. Jede Iteration bringt neue Erkenntnisse, und die Kombination aus Experimentieren, kritischer Bewertung und schrittweiser Verbesserung ist ein wesentlicher Teil der Erfahrung.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)