Tausendjährige Eiche

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Moderator: Marcel

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teppichbahn
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Tausendjährige Eiche

Beitrag von teppichbahn »

Hallo,

von mir gibt es nach langer Zeit wieder etwas Neues zum maßstäblichen Baumbau. Keine Blümlein, Büsche oder Sträucher, auch keine Versuche, viel zu klein geratene Frühwerke aufzupeppen, sondern einfach einen möglichst vorbildnahen Baum.

Ich habe mich endlich an den Bau meiner alten Stieleiche gemacht. Die Eiche sollte nicht nur ein bisschen älter, sondern eine der sogenannten "Tausendjährigen" werden, die hier und da zu lokalen Berühmtheiten wurden, auch wenn sie realistisch nur ein paar hundert Jahre alt sind. Also ein wirklich dickes Exemplar mit knorrigem, teilweise hohlen Stamm, enormen freiliegenden Wurzeln und einer windschiefen Krone mit dicken, gewundenen Ästen. Und der Baum sollte genauso kompromisslos maßstäblich wie robust und in den Details makrotauglich werden. Ok, nicht wirklich makrotauglich, aber der Eindruck sollte beim näheren Betrachten nicht sofort in sich zusammenfallen.

Also große Pläne. Die Idee hatte ich schon eine Weile; und der alte Buchsbaum-Torso, den ich für den Zweck aufgehoben hatte, starrte mich schon lange aus der Ecke an. Ich habe mich aber ewig nicht an die Umsetzung getraut, weil ich nicht wusste, wie ich Dinge wie feine Zweige, Belaubung und Rindenstruktur wirklich schön und haltbar umsetzen könnte. Und bevor ich mich an so einen besonderen Baum mache, wollte ich eigentlich sicher sein, dass sich die Mühe auch lohnt.

Nun, wenig überraschend haben sich die Probleme bei der Darstellung von Laubbäumen mit der Zeit nicht einfach von selbst gelöst. Ich wusste das also alles immer noch nicht, hab dann aber trotzdem einfach losgelegt. Statt geplantem Vorgehen wurde alles wieder ein wildes Herumexperimentieren. Das wird dementsprechend ein längerer Beitrag, den ich zur besseren Übersicht je nach Baufortschritt auf mehrere Posts verteile.

Zunächst habe ich mir die Vorbilder angesehen. Solche alten Eichen mit noch intakter Krone können bis zu 30 Meter hoch werden, bei Breiten in ähnlicher Größenordnung:

Bild
Alfred Pertl, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

So ein Baum in 1:22,5 ginge vielleicht noch durch ein Garagentor, aber ganz sicher durch keine Tür mehr. Da ist maßstäblich einfach nichts zu machen.

Aber es gibt einen vorbildlichen Ausweg: Bei den alten Eichen hat die Krone über die Jahrhunderte meist schon ganz gut gelitten, besonders die oberen Äste sterben oft ab. Solche Bäume weisen häufig eine deutlich reduzierte Höhe von unter 20 Meter auf. Das ist dann in 1:22,5 mit unter einem Meter maßstäblich umsetzbar. Nur eine schöne dichte und gleichmäßige Krone sollte man sich verkneifen, damit die Proportionen glaubwürdig bleiben. Das passte mir aber ganz gut, weil ich sowieso etwas Aststruktur sichtbar lassen wollte.

Also habe ich mir vom Lauf der Zeit deutlich mitgenommene Exemplare angesehen, das sind sowieso die allermeisten. Dabei bin ich auch auf äußerst interessante Beispiele wie dieses in Frankreich gestoßen:

Bild
ESC200, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Irgendwie fände ich so ein Vorbild ja schon sehr reizvoll. Ich stelle mir vor allem vor, wie ein Meister der ultrarealistischen Picturesque wie Marcel so etwas umsetzen würde. Aber ich selbst lass da lieber die Finger von, das würde bei mir nur albern aussehen. Letztlich soll es also etwas langweiliger in so eine Richtung gehen:

Bild
J.-H. Janßen, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Angefangen habe ich beim Bau mit der Basis. Bei einer alten Eiche funktioniert die Steckversion mit Gewindestange nicht mehr. Die Wurzeln ließen sich nicht realistisch in die Umgebung einbetten, schon gar nicht bei einer tausendjährigen Eiche. So ein Baum steht außerdem typischerweise auf einem Minihügel, den das eigene Wurzelsystem über die Jahrhunderte gebildet hat.

Also habe ich die Basis etwas größer bemessen, um einen winzigen Hügel und alle Wurzelenden unterbringen zu können. Diesmal habe ich mich von Anfang an bemüht, alles wirklich robust zu bauen. Den Kern des Stammes bildet wieder ein Stück eines Buchsbaumes, einige Jahre gut abgelagert und enorm hart. Die Basis mitsamt Wurzeln besteht außerdem aus weiteren Holzstücken, dickem Draht und ordentlich Metallgewichten, alles verschraubt oder ineinander gesteckt vor dem Verkleben. Lücken habe ich aufgefüllt mit Sand und Acrylprodukten. Letztere bleiben auch nach dem Aushärten etwas flexibel, von sprödem Gips oder gar Fimo wie früher habe ich die Finger gelassen. Den Boden habe ich mit echter Erde texturiert und wieder mit Acrylbinder fixiert.

Das war alles etwas Overkill, aber die Basis ist jetzt unzerstörbar und tonnenschwer, der Baum kippt so auch im Orkan nicht um. Neben dem Gewicht ist ein Nachteil natürlich, dass sich die Eiche nicht so flexibel und unkompliziert auf einer Anlage unterbringen lässt wie ein Steckbaum.

An den Stellen, wo das Buchsbaumstück noch herausschaute, gab es noch etwas natürliche Textur, die war aber entweder unpassend oder instabil. Deswegen habe ich alles abgeschliffen und überspachtelt. Die Baumrinde habe ich größtenteils aus Acrylpaste mit eingerührten Grasfasern modelliert, dafür ein Dankeschön an Volker für den Tip. Ich hatte noch 0,5mm- und 1mm-Fasern für die Pusteblumen da, damit steht auch hinterher nichts raus. Sonst habe ich noch etwas 2K-Epoxidharz-Knete für einige Stellen verwendet, das ist nochmal deutlich stabiler:

Bild

Den Torso habe ich dann erstmal mit der Sprühdose dunkeloliv grundiert, um die verschiedenen Materialien Holz, Acryl, Epoxidharz, Metall, Sand, Erde und Steine zu vereinheitlichen. Dabei gehen zwar einige ganz feine Strukturen etwas verloren, aber ich brauche einen wirklich robusten Stamm zum groben Anfassen; mit wasserbasierten Farben als Grundierung geht da nichts. Also hier ein Bild der sprühgrundierten Basis mit alten Ästlöchern:

Bild

Der Baum sollte grundsätzlich in eine etwas bergige Gegend passen, ob Sauerland oder Graubünden. Deswegen habe ich einige Steine eingearbeitet, über die die Wurzeln klettern. Dabei habe ich es bei den freischwebenden Wurzeln vielleicht ein wenig übertrieben. Ich könnte einfach noch eine Schicht Erde aufschütten und nur die oberen Teile sichtbar zu lassen, aber ich hatte etwas zu viel Spaß am Wurzelwerk. Also bleibt es erstmal ein bisschen Märchenwald. Die Form von Stamm und Wurzeln habe ich aber später, nach der Bemalung, noch deutlich nachbearbeitet, da sah einiges doch etwas arg seltsam aus, selbst für eine knorrige alte Eiche.

Für Transporte habe ich noch von unten eine Bohrung vorgenommen, um die Basis später mittels 5mm-Gewindestange gegen Verrutschen sichern zu können:

Bild

Der Baum an sich sollte ohne weitere Absicherung an der Krone massiv und stabil genug werden, auch wenn es mal ein Schlagloch gibt.

Dann kam die Bemalung, die ich etwas kontrastreicher gestalten wollte, damit der Stamm später unter der großen, dicht belaubten Krone noch etwas wahrnehmbar bleibt. Dabei habe ich viel ausprobiert, wenig überraschend hat davon manches nur mäßig geklappt.

Zum Beispiel wollte ich noch einige typische Flechten hinzufügen. Nach etwas Recherche, online und draußen vor der Tür, habe ich gelernt, dass in Mitteleuropa vor allem Sulcatflechte und Gewöhnliche Gelbflechte dominieren. Das leicht bläuliche Hellgrau und das teilweise ins Orange changierende Gelb der beiden Arten sind perfekt komplimentäre Farben zu den sonstigen Grün- und Brauntönen, wenn man Kontrasten nicht abgeneigt ist:

Bild
Uoaei1, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Man muss nur mit den Epochen aufpassen: Bis 1990 gab es wegen der Luftverschmutzung kaum noch solche Flechten, seitdem sind sie wegen besserer Luft und gleichzeitig zunehmender Überdüngung explodiert. Wenn ich nach draußen gehe und meine Eindrücke mit nicht ganz aktuellen Fotos vergleiche, kann ich das anekdotisch auch so bestätigen. Also sind Flechten vor allem etwas für die Epochen 5 und 6.

Bei mir vor der Tür sehen die jungen Eichen so aus, und ja, das ist wirklich eine Stieleiche:

Bild

So weit wollte ich nun nicht gehen; ich vermute glatt einen Zusammenhang mit der hohen Nitratbelastung in der Gegend hier. Das hier ist ein Gesamteindruck an einem Baumstamm, an dem ich mich eher orientiert habe:

Bild
Stolbovsky, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Zur Nachbildung habe ich eine Mischung aus Fine Turf, Matte Medium und Acrylfarben angerührt und mit einem Borstenpinsel an den Stamm gespritzt. Ein erster Versuch, noch eher vorsichtig in Gelb-Grün, war vielversprechend. Dann habe ich etwas mutiger in Gelb-Orange weitergespritzt, das war dann etwas viel des Guten, und irgendwie war auch die Mischung irgendwie nicht mehr so dolle. Die Sulcatflechten hätte ich auch nicht ganz so grell umsetzen sollen. Naja, jedenfalls sah die Basis dann bemalt und bemoost irgendwann so aus:

Bild

Beim Moos und auch den Flechten habe ich keine dezidierte Wetterseite gestaltet. So ganz eindeutig habe ich das auch beim Vorbild oft nicht erkennen können, und vor allem hätte eine vorgegebene Himmelsrichtung das Modell sehr unflexibel gemacht.

Und die Rinde in der Nahansicht:

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Ich habe mir inzwischen so viele Flechten angesehen, dass ich denke, das geht schon einigermaßen. Aber neutral betrachtet erinnert es schon sehr an einen mittelschweren Farbunfall. Naja, es ist jetzt erst mal, wie es ist. Beim Moos musste ich aber dringend nacharbeiten:

Bild

Ich habe das Moos ursprünglich nass-in-nass mit verdünnten Acrylfarben in dunkelbraun, dunkelgrün und hellgrün von außen nach innen bemalt und mit der Airbrush Highlights hinzugefügt. Wie man links sieht, ergab das überhaupt kein harmonisches Bild, sondern wirkte wie drauf geklatscht.

Also habe ich die Bemoosung noch mal neu gemacht und bemalt, diesmal in hellem Olivbraun, Olivgrün und grellem Neongrün. Nach dem Trocknen habe ich die Ränder noch mit Alkydharz-Washes in hellen Erdtönen verblendet. So hat sich das Moos viel besser eingefügt. Final war die Gestaltung des Stammes so nicht, weder in Form noch Farbe. Aber ich habe erst einmal weitergemacht und später immer wieder zwischendurch den Stamm nachbearbeitet.
teppichbahn
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von teppichbahn »

Gestaltung der Krone

Dann kam die Gestaltung der Krone, und damit einige Herausforderungen. Bei vielen Laubbäumen wie Buchen oder Linden verzweigen sich die Äste gleichmäßig und die belaubten kleinen Zweige sind nur an den Enden in etwa entlang einer Kugeloberfläche angeordnet. Außen gibt es also nur laubtragende kleine Zweige, innen nur kahle Äste. Bei Stieleichen ist der Wuchs dagegen unregelmäßig, mit Lücken in der Krone, besonders bei uralten Bäumen. Laubtragende Zweige gibt es nicht nur ganz außen am Ast, sondern auch weiter im Inneren der Krone, wenn durch Lücken Licht dorthin fällt:

Bild

Buchenartige Bäume kann man gut in einem Teil bauen und dann in einem Arbeitsgang belauben. Bei Eichen wird das schwierig, hier mal ein archetypischer Ast zur Illustration:

Bild
J E Theriot from houston, usa, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Solche Äste lassen sich unmöglich sauber am fertigen Baum belauben, das geht nur bei jedem Ast einzeln vor dem Anbringen. Trotzdem wollte ich die Krone beim Bau im Ganzen sehen und gestalten, also musste ich die belaubten Teile der Äste abnehmbar konstruieren.

Innere unbelaubte Äste am Torso habe ich entweder einfach vom Buchsbaum übernommen oder aus Holzdübeln ergänzt. Dazu habe ich Holzdübel in verschiedenen Größen mit 1,5mm-Drähten verbunden und verleimt. In die Enden der inneren Äste habe ich mehrere Löcher gebohrt, um Steckverbindungen mit den äußeren belaubten Zweigen zu herzustellen. So sah eine solche Verbindung im Rohbau aus:

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Der Ast aus Holzdübeln mit Drahtbewehrung ist enorm robust, auch die Verbindung hielt ohne Klebung bombenfest und war jederzeit wieder abnehmbar. Äste brechen also nicht ab, wenn man mal gegen den Türrahmen läuft, was bei der Größe regelmäßig passieren wird. Der ganze Baum ließ sich sogar an einzelnen Ästen hochheben. Nur die Übergänge konnte ich so bis ganz zum Schluss nicht verblenden, das hat natürlich alles etwas verkompliziert. Aber dafür konnte ich in Ruhe die kleineren Zweige einzeln gestalten.

Dabei habe ich versucht, den Wuchs von Stieleichen wenigstens einigermaßen nachzubilden. Ich habe deswegen in den sauren Apfel gebissen, und auch die feineren Verzweigungen mit Draht gedreht. In unserem Maßstab ist mir leider noch keine brauchbare Alternative über den Weg gelaufen. Beim Aufstreuen oder Aufschießen von irgendwelchen Materialien wird alles irgendwann ein formloser Klumpen. Und Sisal- oder Kokosfasern kann man zwar gezielt ankleben, aber dann hinterher die Ausrichtung nicht mehr korrigieren. Und so stehen die Fasern zum Schluss völlig unnatürlich, wenn man noch die Biegung der Äste korrigiert. Dann gibt's noch Seemoos und anderes Naturmaterial, aber das ist mir alles viel zu fragil, und außerdem die Struktur der Zweige wieder vorgegeben.

Also ging's an Drehen. Für die zu belaubenden Zweige habe ich eine Kombination aus 1,2mm- und 0,5-mm-Drähten verwendet. Noch dünnere Drähte hätten filigranere Zweige ermöglicht, aber darunter hätte mir die Stabilität zu sehr gelitten. Wenn ich dann einmal mit dem Baum gegen die Tür stieße, hätte ich gleich einen Haufen verbogene Zweigspitzen. Die dicken Drähte bilden jeweils die Steckverbindung zum Torso wie oben gezeigt. Hier ein erster Drahtrohling:

Bild

Für den ganzen Baum musste ich dann nur noch exakt 53 weitere solcher Zweige drehen, 52 sind hier im Rohbau zu sehen:

Bild

Für die Astenden habe ich insgesamt 9 Rollen Draht verwurstet, also etwa 360 Meter. Inzwischen habe ich Hornhaut auf den Fingerkuppen. Eine weitere Strafarbeit waren nummerierte Fähnchen für alle Steckverbindungen, jeweils am Torso und an den Ästen, weil ich die Dinger sonst nie wieder korrekt an den Baum gepuzzelt bekommen hätte. Die Struktur der Äste ist auf dem Bild noch unvollständig. Später habe ich die Zweige noch weiter mit Drahtenden aufgefüllt, als ich den Gesamteindruck am Baum beurteilen konnte.

Beim Kaschieren der Drahtstruktur habe ich nicht wie bisher mit Leim und Streumaterial geschummelt, sondern versucht, die Zweige gezielter mit Acrylpaste zu modellieren. Dadurch wird die Struktur filigraner und die Textur realistischer. Außerdem hat Acryl einige Vorteile, was die langfristige Haltbarkeit angeht, deswegen verwende ich bei solchen Projekten grundsätzlich keinen Leim und Ähnliches mehr. Aber es war so halt auch deutlich mühsamer, deswegen war die Modellierung der Äste der zeitaufwendigste Teil. Mühsam war es vor allem deswegen, weil ich in einem Arbeitsgang sowohl die grobe Form der Äste als auch die Rindentextur der Oberfläche aus der Paste formen musste:

Hier ein modellierter Zweig vor und nach der Grundierung mit der Sprühdose:

Bild

Bei Form und Textur wäre mit etwas mehr Sorgfalt offensichtlich noch deutlich mehr gegangen, aber bei 54 Zweigen war meine Geduld dann begrenzt. Für Finescale-Modellbauer ist da aber noch gut Luft nach oben.

Hier ein erster Eindruck des provisorisch zusammengesteckten Rohlings mit 52 von insgesamt 54 äußeren Ästen. Die Form des unteren Stammes ist im Vergleich zu den Bildern oben etwas nachgearbeitet, der Torso mitsamt inneren Ästen schon weitgehend fertig bemalt. Die äußeren Äste sind aber nur grundiert und die Übergänge noch nicht verblendet. Die ganz feinen Zweige fehlen auch noch, außerdem hängen noch überall die nummerierten Fähnchen:

Bild

Dass sich der Rohling problemlos zusammen und wieder auseinander bauen ließ, war ein großer Vorteil, weil ich während des Baus immer kontrollieren konnte, wie alles zusammen wirkt, und dann entsprechend Zweige korrigieren oder ergänzen konnte.

Bei der Gestaltung der Krone stieß ich auf eine Herausforderung, an die ich vorher nicht wirklich gedacht hatte: Ich musste enorm aufpassen, dass der Baum in seiner kleinsten Dimension unter der Mindestbreite von Türen, also unter 61cm bleibt. Zum Glück hatte ich das gerade noch rechtzeitig gemerkt, sonst hätte ich den Baum tatsächlich nicht mehr vom Dachboden bekommen. So harte maßstäbliche Grenzen sind mir bisher beim Modellbau noch nirgends untergekommen. Ich vermute, Gebäudebauer kennen das Problem, aber da kann man einfacher modular konstruieren.

Wie man im Bild erahnen kann, habe ich auch so so einige abgesägte Äste dargestellt. Dadurch soll die unregelmäßige Struktur der Krone etwas glaubwürdiger wirken. Auf die Aststummel habe ich erst mit Hautfarben eine Holzstruktur aufgemalt und die dann mit Alkydharzwashes nur leicht eingegraut. Hier ein Beispiel vom Vorbild mit schon etwas Wundholz, der Schnitt ist also wohl nicht mehr ganz frisch:

Bild

Die noch holzfarbenen Astwunden an meinem Rohling sehen jetzt so aus, als sei vor nicht allzu langer Zeit ein Baumschnitt vorgenommen worden, der auch die lichten Stellen in der Krone erklärt. Unten am Stamm habe ich die großen Astlöchern dagegen vergraut und mit viel Wundholz dargestellt, aber die Löcher sollen auch viel älter sein.

Nach dem Grundieren habe ich noch nur direkt auf die Spitzen der 0.5mm-Drähte sparsam einige 9- und 12mm-Fasern aufgeschossen. Um eine bessere Kontrolle zu haben, habe ich die Fasern nicht wie üblich aus dem Begraser über den Ast geschüttelt, sondern von unten an die Drahtenden fliegen lassen:

Bild

Ganz zum Schluss habe ich noch einige wenige feine Verästelungen mit Kokosfasern ergänzt. Für die Grundfarben der Zweige habe ich wieder mit Sprühdosen gearbeitet. Dazu habe ich drei opake und zwei transparente Farbtöne ineinander gesprüht; die hellen Farben mehr auf den lichtzugewandten Seiten, weil Flechten im Schatten nicht wachsen:

Bild

Das gab schon etwas Grundstruktur. Danach habe die Äste weiter mit Acrylfarben und Kunstharz-Washes bemalt sowie mit der Zahnbürste ein paar Flechten aufgespritzt und moosige Stellen ergänzt. Danach sahen die Äste so aus, hier einige eher waagrecht wachsende Beispiele:

Bild

Und ein paar nach oben strebende Äste zum Vergleich:

Bild

Und zwei der Äste unter etwas kontrastreicherem Licht, damit man die Struktur besser sieht:

Bild

Besonders die feinen Zweigenden sind natürlich immer noch nicht wirklich realistisch. Letztlich werden die Blätter die Fasern noch kaschieren, auch wenn ich eigentlich der Ansicht bin, dass ein Modell in jedem Baustadium ordentlich aussehen sollte.

Dann habe ich die äußeren Äste wieder angesteckt. Die meisten Übergange der Äste sahen nach dem nur provisorischen Zusammenstecken schon recht unauffällig aus:

Bild

So sah der Rohling dann mit 53 von 54 montierten Ästen aus, unten an der Basis hatte ich noch etwas verottetes Laub und sonstigen Bodenbelag ergänzt. Weil alles nur provisorisch gesteckt ist, musste ich die nummerierten Fähnchen weiter an den Ästen lassen:

Bild

Wie man vielleicht im Vergleich zum Bild weiter oben sieht, habe ich die Aststruktur am Torso noch etwas vereinfacht, um sie besser lesbar zu machen. Vorher war mir das doch zuviel wirres Durcheinander, selbst für eine knorrige alte Eiche. Dazu habe ich diverse kleinere Äste entfernt und dafür neue Verzweigungen an den Hauptästen gebaut. Es bleibt ja weiterhin mehr als genug Ästchaos.

Insgesamt musste ich die Äste wegen der Türproblematik wohl oder übel etwas kompakter ausführen, als ich mir das ursprünglich vorgestellt hatte. Letztlich ist der Baum knapp 85cm hoch geworden, also umgerechnet 19 Meter, mit einem Stammumfang von umgerechnet 4,5 Meter. Breit ist er knapp 60cm und 75cm tief. Das wäre beim Vorbild noch lange kein Riese, aber immerhin sind solche Dimensionen bei alten Eichen nicht unrealistisch. Noch eine Ansicht von der anderen Seite mit Figur zum Größenvergleich:

Bild

Auch bei den arg asymmetrischen Strukturen musste ich mich etwas überwinden. Eine schöne runde Krone wäre schon nett gewesen, aber es sollte schließlich eine alte, knorrige Eiche werden, kein Idealbaum im besten Alter. Außerdem hätte ich eine gleichmäßige Krone noch mal größer dimensionieren müssen, und dann wäre der Baum halt nicht mehr durch die Tür gegangen.

Und noch eine Ansicht von oben:

Bild

Ich hab dann den Rohling noch mal vor eine Hintergrundplatte in die Wintersonne gestellt. Das ist wieder kein Lichtsituation, die beim Vorbild oft vorkommt, aber dafür sieht man die Struktur noch mal besser von allen Seiten:

Bild

Bild

Bild

Jetzt fehlt also nur noch die Begrünung.
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von Hydrostat »

Das ist atemberaubend gut. Das musste ich erstmal loswerden. Jetzt kann ich den Beitrag nochmal in Ruhe studieren.

Schönen Gruß
Volker
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von Stoffel »

Woooww :shock:

(Heute hatte ich noch an Dich gedacht beim Studieren eines anderen Threads. Lange nichts mehr gesehen / gehört.)

Volker nimmt mir die Worte aus dem Mund. Bin sprachlos. Melde mich, wenn das Sprachzentrum wieder funktioniert.


Grüsse
Stoffel
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jc94
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von jc94 »

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Waaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhh
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Spureinser
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von Spureinser »

Hallo ,

das ist mit Worten nicht zu beschreiben , was für eine handwerkliche Preziosen . :respekt: :respekt: :respekt:

Gruß von Thomas aus den Taunusbergen
Ich fahre in Spur 1 , e + f , sowie R/C in 1:32 / MEC Idstein
Jens
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von Jens »

Wahnsinn........................ absolut toll

Viel Spaß beim bauen

wünscht

Jens
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korm kormsen
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von korm kormsen »

GEWALTIG!
wir bauen fuer die ewigkeit - also, warum beeilen?

mein Chaosplatz http://kormsen.info
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KTW
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Re: Tausendjährige Eiche

Beitrag von KTW »

Grandios.

Auch die Hintergrundinformation (z.B. Flechten....) zu geben, finde ich :top:
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„Behalte nur, was Du liebst und was Dich im Moment glücklich macht“
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