von mir gibt es nach langer Zeit wieder etwas Neues zum maßstäblichen Baumbau. Keine Blümlein, Büsche oder Sträucher, auch keine Versuche, viel zu klein geratene Frühwerke aufzupeppen, sondern einfach einen möglichst vorbildnahen Baum.
Ich habe mich endlich an den Bau meiner alten Stieleiche gemacht. Die Eiche sollte nicht nur ein bisschen älter, sondern eine der sogenannten "Tausendjährigen" werden, die hier und da zu lokalen Berühmtheiten wurden, auch wenn sie realistisch nur ein paar hundert Jahre alt sind. Also ein wirklich dickes Exemplar mit knorrigem, teilweise hohlen Stamm, enormen freiliegenden Wurzeln und einer windschiefen Krone mit dicken, gewundenen Ästen. Und der Baum sollte genauso kompromisslos maßstäblich wie robust und in den Details makrotauglich werden. Ok, nicht wirklich makrotauglich, aber der Eindruck sollte beim näheren Betrachten nicht sofort in sich zusammenfallen.
Also große Pläne. Die Idee hatte ich schon eine Weile; und der alte Buchsbaum-Torso, den ich für den Zweck aufgehoben hatte, starrte mich schon lange aus der Ecke an. Ich habe mich aber ewig nicht an die Umsetzung getraut, weil ich nicht wusste, wie ich Dinge wie feine Zweige, Belaubung und Rindenstruktur wirklich schön und haltbar umsetzen könnte. Und bevor ich mich an so einen besonderen Baum mache, wollte ich eigentlich sicher sein, dass sich die Mühe auch lohnt.
Nun, wenig überraschend haben sich die Probleme bei der Darstellung von Laubbäumen mit der Zeit nicht einfach von selbst gelöst. Ich wusste das also alles immer noch nicht, hab dann aber trotzdem einfach losgelegt. Statt geplantem Vorgehen wurde alles wieder ein wildes Herumexperimentieren. Das wird dementsprechend ein längerer Beitrag, den ich zur besseren Übersicht je nach Baufortschritt auf mehrere Posts verteile.
Zunächst habe ich mir die Vorbilder angesehen. Solche alten Eichen mit noch intakter Krone können bis zu 30 Meter hoch werden, bei Breiten in ähnlicher Größenordnung:

Alfred Pertl, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
So ein Baum in 1:22,5 ginge vielleicht noch durch ein Garagentor, aber ganz sicher durch keine Tür mehr. Da ist maßstäblich einfach nichts zu machen.
Aber es gibt einen vorbildlichen Ausweg: Bei den alten Eichen hat die Krone über die Jahrhunderte meist schon ganz gut gelitten, besonders die oberen Äste sterben oft ab. Solche Bäume weisen häufig eine deutlich reduzierte Höhe von unter 20 Meter auf. Das ist dann in 1:22,5 mit unter einem Meter maßstäblich umsetzbar. Nur eine schöne dichte und gleichmäßige Krone sollte man sich verkneifen, damit die Proportionen glaubwürdig bleiben. Das passte mir aber ganz gut, weil ich sowieso etwas Aststruktur sichtbar lassen wollte.
Also habe ich mir vom Lauf der Zeit deutlich mitgenommene Exemplare angesehen, das sind sowieso die allermeisten. Dabei bin ich auch auf äußerst interessante Beispiele wie dieses in Frankreich gestoßen:

ESC200, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Irgendwie fände ich so ein Vorbild ja schon sehr reizvoll. Ich stelle mir vor allem vor, wie ein Meister der ultrarealistischen Picturesque wie Marcel so etwas umsetzen würde. Aber ich selbst lass da lieber die Finger von, das würde bei mir nur albern aussehen. Letztlich soll es also etwas langweiliger in so eine Richtung gehen:

J.-H. Janßen, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
Angefangen habe ich beim Bau mit der Basis. Bei einer alten Eiche funktioniert die Steckversion mit Gewindestange nicht mehr. Die Wurzeln ließen sich nicht realistisch in die Umgebung einbetten, schon gar nicht bei einer tausendjährigen Eiche. So ein Baum steht außerdem typischerweise auf einem Minihügel, den das eigene Wurzelsystem über die Jahrhunderte gebildet hat.
Also habe ich die Basis etwas größer bemessen, um einen winzigen Hügel und alle Wurzelenden unterbringen zu können. Diesmal habe ich mich von Anfang an bemüht, alles wirklich robust zu bauen. Den Kern des Stammes bildet wieder ein Stück eines Buchsbaumes, einige Jahre gut abgelagert und enorm hart. Die Basis mitsamt Wurzeln besteht außerdem aus weiteren Holzstücken, dickem Draht und ordentlich Metallgewichten, alles verschraubt oder ineinander gesteckt vor dem Verkleben. Lücken habe ich aufgefüllt mit Sand und Acrylprodukten. Letztere bleiben auch nach dem Aushärten etwas flexibel, von sprödem Gips oder gar Fimo wie früher habe ich die Finger gelassen. Den Boden habe ich mit echter Erde texturiert und wieder mit Acrylbinder fixiert.
Das war alles etwas Overkill, aber die Basis ist jetzt unzerstörbar und tonnenschwer, der Baum kippt so auch im Orkan nicht um. Neben dem Gewicht ist ein Nachteil natürlich, dass sich die Eiche nicht so flexibel und unkompliziert auf einer Anlage unterbringen lässt wie ein Steckbaum.
An den Stellen, wo das Buchsbaumstück noch herausschaute, gab es noch etwas natürliche Textur, die war aber entweder unpassend oder instabil. Deswegen habe ich alles abgeschliffen und überspachtelt. Die Baumrinde habe ich größtenteils aus Acrylpaste mit eingerührten Grasfasern modelliert, dafür ein Dankeschön an Volker für den Tip. Ich hatte noch 0,5mm- und 1mm-Fasern für die Pusteblumen da, damit steht auch hinterher nichts raus. Sonst habe ich noch etwas 2K-Epoxidharz-Knete für einige Stellen verwendet, das ist nochmal deutlich stabiler:

Den Torso habe ich dann erstmal mit der Sprühdose dunkeloliv grundiert, um die verschiedenen Materialien Holz, Acryl, Epoxidharz, Metall, Sand, Erde und Steine zu vereinheitlichen. Dabei gehen zwar einige ganz feine Strukturen etwas verloren, aber ich brauche einen wirklich robusten Stamm zum groben Anfassen; mit wasserbasierten Farben als Grundierung geht da nichts. Also hier ein Bild der sprühgrundierten Basis mit alten Ästlöchern:

Der Baum sollte grundsätzlich in eine etwas bergige Gegend passen, ob Sauerland oder Graubünden. Deswegen habe ich einige Steine eingearbeitet, über die die Wurzeln klettern. Dabei habe ich es bei den freischwebenden Wurzeln vielleicht ein wenig übertrieben. Ich könnte einfach noch eine Schicht Erde aufschütten und nur die oberen Teile sichtbar zu lassen, aber ich hatte etwas zu viel Spaß am Wurzelwerk. Also bleibt es erstmal ein bisschen Märchenwald. Die Form von Stamm und Wurzeln habe ich aber später, nach der Bemalung, noch deutlich nachbearbeitet, da sah einiges doch etwas arg seltsam aus, selbst für eine knorrige alte Eiche.
Für Transporte habe ich noch von unten eine Bohrung vorgenommen, um die Basis später mittels 5mm-Gewindestange gegen Verrutschen sichern zu können:

Der Baum an sich sollte ohne weitere Absicherung an der Krone massiv und stabil genug werden, auch wenn es mal ein Schlagloch gibt.
Dann kam die Bemalung, die ich etwas kontrastreicher gestalten wollte, damit der Stamm später unter der großen, dicht belaubten Krone noch etwas wahrnehmbar bleibt. Dabei habe ich viel ausprobiert, wenig überraschend hat davon manches nur mäßig geklappt.
Zum Beispiel wollte ich noch einige typische Flechten hinzufügen. Nach etwas Recherche, online und draußen vor der Tür, habe ich gelernt, dass in Mitteleuropa vor allem Sulcatflechte und Gewöhnliche Gelbflechte dominieren. Das leicht bläuliche Hellgrau und das teilweise ins Orange changierende Gelb der beiden Arten sind perfekt komplimentäre Farben zu den sonstigen Grün- und Brauntönen, wenn man Kontrasten nicht abgeneigt ist:

Uoaei1, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Man muss nur mit den Epochen aufpassen: Bis 1990 gab es wegen der Luftverschmutzung kaum noch solche Flechten, seitdem sind sie wegen besserer Luft und gleichzeitig zunehmender Überdüngung explodiert. Wenn ich nach draußen gehe und meine Eindrücke mit nicht ganz aktuellen Fotos vergleiche, kann ich das anekdotisch auch so bestätigen. Also sind Flechten vor allem etwas für die Epochen 5 und 6.
Bei mir vor der Tür sehen die jungen Eichen so aus, und ja, das ist wirklich eine Stieleiche:

So weit wollte ich nun nicht gehen; ich vermute glatt einen Zusammenhang mit der hohen Nitratbelastung in der Gegend hier. Das hier ist ein Gesamteindruck an einem Baumstamm, an dem ich mich eher orientiert habe:

Stolbovsky, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Zur Nachbildung habe ich eine Mischung aus Fine Turf, Matte Medium und Acrylfarben angerührt und mit einem Borstenpinsel an den Stamm gespritzt. Ein erster Versuch, noch eher vorsichtig in Gelb-Grün, war vielversprechend. Dann habe ich etwas mutiger in Gelb-Orange weitergespritzt, das war dann etwas viel des Guten, und irgendwie war auch die Mischung irgendwie nicht mehr so dolle. Die Sulcatflechten hätte ich auch nicht ganz so grell umsetzen sollen. Naja, jedenfalls sah die Basis dann bemalt und bemoost irgendwann so aus:

Beim Moos und auch den Flechten habe ich keine dezidierte Wetterseite gestaltet. So ganz eindeutig habe ich das auch beim Vorbild oft nicht erkennen können, und vor allem hätte eine vorgegebene Himmelsrichtung das Modell sehr unflexibel gemacht.
Und die Rinde in der Nahansicht:

Ich habe mir inzwischen so viele Flechten angesehen, dass ich denke, das geht schon einigermaßen. Aber neutral betrachtet erinnert es schon sehr an einen mittelschweren Farbunfall. Naja, es ist jetzt erst mal, wie es ist. Beim Moos musste ich aber dringend nacharbeiten:

Ich habe das Moos ursprünglich nass-in-nass mit verdünnten Acrylfarben in dunkelbraun, dunkelgrün und hellgrün von außen nach innen bemalt und mit der Airbrush Highlights hinzugefügt. Wie man links sieht, ergab das überhaupt kein harmonisches Bild, sondern wirkte wie drauf geklatscht.
Also habe ich die Bemoosung noch mal neu gemacht und bemalt, diesmal in hellem Olivbraun, Olivgrün und grellem Neongrün. Nach dem Trocknen habe ich die Ränder noch mit Alkydharz-Washes in hellen Erdtönen verblendet. So hat sich das Moos viel besser eingefügt. Final war die Gestaltung des Stammes so nicht, weder in Form noch Farbe. Aber ich habe erst einmal weitergemacht und später immer wieder zwischendurch den Stamm nachbearbeitet.























