Maßstäbliche Bäume

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Moderator: Marcel

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teppichbahn
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Hallo,

ich habe eine kleine Fingerübung zu etwas fächerartigen Buchenästen gemacht, angeregt durch die Berichte von Volkers Plettenberger Kleinbahn. Den dortigen Thread wollte ich dafür nicht hijacken, deswegen zeige ich das Ergebnis hier.

Ich habe inzwischen 3D-Modelle von Bäumen als Orientierung entdeckt, zum Beispiel so etwas. Eigentlich ein Armutszeugnis, sich an virtuellen statt echten Vorbildern zu messen, aber solche Bilder von echten Bäumen sind weder einfach zu finden noch selbst zu schießen.

Beim ersten Ast konnte ich mich nicht bremsen und bin bei über 200 Drahtenden gelandet:

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Das ist natürlich viel zu viel für einen eher zweidimensionalen Ast, wie man ihn im Bereich der unteren Krone von Buchen sieht. Also alles wieder von vorn und diesmal zusammengerissen:

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Das Drehen des Drahtes hat zirka zehn Minuten gedauert, das Zurechtbiegen etwas länger. Insgesamt müsste er um die 50 Drahtenden haben. Der Hauptast besteht am Anfang aus acht Drähten, Enden lassen sich dann in beliebiger Zahl durch Schlaufen erzeugen. Ich finde, der Aufwand lässt sich noch vertretbar auf einen ganzen Baum hochskalieren, etwas weniger Enden pro Ast genügen vermutlich auch. Bei mir wurde das Drehen auch mit der Erfahrung deutlich zeiteffizienter. Koloriert habe ich den Ast in einer Minute mit zwei Sprühdosen, das würde ich sonst etwas genauer machen.

Dann die 12mm-Fasern als Trägermaterial für das Laub, befestigt mit Sprühkleber und hinterher fixiert mit Isopropanol und Leimwasser:

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Wenn man Drahtenden sparen will, lassen sich auch mehrere Durchgänge Fasern aufschießen, um mehr Volumen, aber trotzdem eine verzweigte Struktur zu erreichen.

Ich habe auch gleich mal ausprobiert, ob man Heki-Laub mit einem Begraser aufschießen kann. Grundsätzlich funktioniert es, ich habe aber bei Grasfasern als Trägermaterial hinterher keinen Unterschied im Vergleich zum einfachen Aufstreuen erkennen können. Die Blätter sind genau wie die Fasern mit Sprühkleber befestigt und mit Leimwasser fixiert:

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Mal sehen, ob ich auf die Weise mal eine kleine Buche versuche, das Heki-Laub passt von der Größe her schon sehr gut.
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robby
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von robby »

Ich bin immer wieder baff. Die Bäume, die Anlage und das als,, Teppichbshner'' 😉

Ganz grosse Schule. Ich glaube bei dir in die Lehre gehen zu wollen
teppichbahn
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Hallo,

ich habe wieder ein paar Bäume gebaut, zwei Fichten und eine Rotbuche. Alle drei Bäume sind mit unter 70cm etwas kleiner, da sie oben auf einem "Berg" stehen sollen. Und 1-Meter-Bäume auf einem 1-Meter-Berg wirken wahrscheinlich nicht so gut.

Beim Bau lag mein Augenmerk diesmal darauf, die Bäume noch robuster zu machen. Besonders bei den Laubbäumen hatte ich da ja Schwierigkeiten. Meine Fichten hielten bisher zwar prima, aber mit Gewalt ziehen sollte man an den einzelnen Fasern trotzdem nicht.

Die Rohlinge sind wieder komplett aus Metall gebaut. Wie immer versuche ich, sie schon so zu drehen, dass an der Form außer dem Kaschieren der Drähte nichts mehr gemacht werden muss.

Bei den Fichten habe ich diesmal darauf geachtet, die unteren Äste dicker zu drehen mit einer Verjüngung zur Spitze hin. Auch einige größere nach unten hängende Zweige habe ich gleich aus Draht mitgedreht statt sie später separat mit feinem Draht, Kokosfasern oder aufgeschossenem Gras nachzubilden. Dadurch wird alles stabiler und es sind unregelmäßige Wuchsformen mit längeren Zweigen und Lücken möglich. Besonders in den Bergen sehen die Vorbildfichten doch meist arg gerupft aus, die beiden neuen werden also auch ziemlich zerzaust.

Die Rotbuche sollte ebenfalls kein klassischer Solitär à la Kaiserbuche oder Dorflinde werden, sondern ein ein mitteljunger Baum mit eher schlankem Wuchs und nur vereinzelten tief stehenden Ästen, wie er in Gruppen oder Reihen neben den Gleisen oder auch im lichten Wald stehen könnte. Der Baum soll so flexibler einsetzbar sein, Solitäre sind ja auch in der Natur eher selten.

Die Stämme bestehen wieder aus ineinander gesteckten Messingrohren und Gewindestangen. Das ist so robust, dass das Biegen bei der Buche eine Herausforderung war:

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Ich habe versucht, die Krone recht licht zu formen, aber darauf geachtet, dass von oben gesehen keine Lücken entstehen. Um Sonnenlicht wird im Wald gekämpft, solche Lücken wären also unrealistisch. So sieht der Drahtrohling für die Buche dann nach der ersten Grobfrisur aus:

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Die Hauptäste sind aus jeweils einem Draht gedreht und auch kleinere Zweige mit Draht modelliert. So kann ich zum Schluss, wenn ich den Gesamteindruck beurteilen kann, alles in eine für mich stimmige Form bringen. Besonders der obere Bereich, wo die dicken Drähte enden, ist nicht ganz einfach zu drehen, ohne dass entweder der Übergang sichtbar bleibt oder die Äste unrealistisch dick werden.

Die Rindenstruktur bilde ich ausschließlich mit Leim, Sand und bei den Fichten etwas feinem Holzstreu nach, auch die Wurzeln sind wieder gleich aus Draht mitgedreht. So können die Stämme auch Hammerschläge aushalten. Bei der Buche sorgen zwei Schichten Acrylbinder für eine glattere Oberfläche. Für maßstäbliche Glätte wäre wahrscheinlich noch ein weiterer Durchgang nötig gewesen, aber ich wollte etwas mehr Textur erhalten.

Lackiert habe ich wie immer mit Sprühdosen in diversen Farbtönen, um mit kleinen Sprenklern eine gleichmäßige, aber trotzdem lebhafte Textur zu erreichen. Horizontales Trockenbürsten sorgt für eine Borkenstruktur, die es bei der Buche nicht gibt, deswegen habe ich das nur bei den Fichten vorsichtig gemacht.

So sehen die fertigen Fichten und der lackierte und in Form gebrachte Rohling der Buche aus:

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Bei den Fichten habe ich die kleinen Zweige wie zuvor mit Sprühkleber befestigt. Erster Durchgang mit 12mm-Fasern, dann nach unten fönen und zur temporären Fixierung grob lackieren. Der zweite Durchgang mit 6mm-Fasern, nicht nach unten fönen und alles in vier Farbtönen aus der Dose final lackieren. Dann zum Fixieren mit Isopropanol sowie Leim und Acrylbinder einsprühen. Die Fixierung scheint gut zu funktionieren, man kann überall ziehen und zupfen, ohne dass etwas abgeht.

Bei der Benadelung der Fichten habe ich wieder eine Lektion gelernt: Sprühkleber nicht unter 5 Grad verwenden, da leidet die Haftung ganz enorm. Gut, wenig überraschend, werden einige sagen, bei Frost sollte man sowas halt sein lassen, aber ich bin ziemlich ungeduldig. Naja, jetzt ist eine Fichte eben etwas klumpig geworden. Das Fine Turf habe ich nicht mit Leim+Acrylbinder fixiert, die feinen Flocken halten auch so. Nur einen großzügigen Auftrag mit Klarlack habe ich spendiert, um die durch den Sprühkleber klebrigen Oberflächen zu versiegeln.

Bei der Buche habe ich nur punktuell an den Spitzen der Drähte 12mm-Fasern aufgeschossen, um die Verzweigungen der Drahtstruktur weiterzuführen:

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12mm-Fasern verhalten sich ja unabhängig vom (Nichtprofi-)Begraser nicht optimal und fallen eher entlang der Feldlinien als dass sie geschossen werden. Deswegen habe ich später noch nachgearbeitet und nach unten oder hinten zeigende Fasern abgeschnitten.

Ich habe auf Volkers Anregung auch versucht die Fasern von einer Platte anstelle des Begrasers aufzuschießen. Das funktioniert leider mit 12mm gar nicht. Bevor die Fasern abheben gibt's eher einen Spannungsdurchschlag. Ohne Unterstützung durch die Schwerkraft geht's also nicht. Mein Greenkeeper hat übrigens inzwischen 55kV, aber ich merke keinerlei Verbesserung zur 35kV-Version. Das Geld kann man sich sparen.

Die Heki-Blätter habe ich ebenfalls mit Sprühkleber angebracht, diesmal bei deutlich über fünf Grad. Die Belaubung wird so schön luftig und war in einer Viertelstunde erledigt; sehr wenige an Ästen hängengebliebene Blätter waren mit ein paar Pinselstrichen entfernt:

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Die Buche habe ich ebenfalls mit Isopropanol, Leim und Acrylbinder fixiert. Sehen tut man davon nichts und die luftige Struktur hat auch keinen Schaden genommen. Dafür habe ich jetzt endlich einen robusten Laubbaum und kann realistisch Bäume ineinander stellen, ohne Angst zu haben, dass ich Zweige abreiße oder für vorzeitigen Laubfall sorge.

Und zum Schluss noch drei Bilder von verschiedenen Seiten:

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Insgesamt bin ich mit der Buche ganz zufrieden, auch wenn die Heki-Blätter noch nicht wirklich realistisch sind. Die Krone ist etwas transparenter als in der Realität, aber mit gefällt es so. Ich habe jetzt auch vor Laubbäumen deutlich weniger Respekt, die Buche ging (nach Modellbaumaßstäben) relativ fix und ohne größere Schwierigkeiten von der Hand.
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Schrauber
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von Schrauber »

Hallo,

höchsten Respekt und Hut ab. Das ist das Beste, was ich an Baumbau bisher bestaunen durfte. Danke auch für das Teilhaben lassen an der Entstehung. :tach:
Gruß Tomas (Schrauber)



"Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!"
Spureinser
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von Spureinser »

Hallo ,
die Bäume sehen sehr gut aus , man könnte Blätter von Silfor / Minnatur nehmen ist allerdings eine Kostenfrage .
Oder es gibt Stanzen für verschiedene Laubblätter , aber hier benötigt man etwas Zeit , da ca. 5 Blätter pro Durchgang gestanzt werden können .

Aber ehrlich ich finde die Bäume auch so spitze .

Gruß von Thomas aus den Taunusbergen
Ich fahre in Spur 1 , e + f , sowie R/C in 1:32 / MEC Idstein
teppichbahn
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Hallo Thomas,

danke für deine Tipps. Mininatur-Laub gibt es leider nur als Matten, die mit meiner Methode nicht kompatibel sind. Stanzer habe ich auch schon ausprobiert. Mit dünnem, per Airbrush eingefärbtem Pergamentpapier sind die Blätter auch gar nicht schlecht. Aber Massenproduktion ist damit nicht möglich, selbst wenn man sich die paar Monate Zeit nehmen wollte. Die Stanzer sind dafür qualitativ einfach nicht gebaut. Zielgruppe sind wohl eher Minidioramenbauer, die ein paar Blätter auf dem Boden drapieren wollen.

Ich habe das Hekilaub an der Buche wahrscheinlich etwas unter Wert verkauft. Auch wenn es Makroaufnahmen nicht standhält, ist es meiner Meinung nach mit Abstand das Beste, was es in unserem Maßstab gibt. Das Material ist dünn, leicht durchscheinend und etwas seidenglänzend, die Farben schön gedeckt gewählt, die Größe passt in etwa für Buchen und die Form, auch wenn sie zufällig gerissen ist, ist brauchbar. Noch-Laub, teure lasergeschnittene Blätter (und vermutlich auch Mininatur) sehen im Vergleich einfach nach Papier aus. Außerdem wirken komplexe und regelmäßige Formen zwar einzeln gut, aber zufällig orientiert am Baum nicht mehr unbedingt.

Nur eine größere Version für andere Baumarten würde ich mir von Heki noch wünschen. Aber wie ich schon geschrieben hatte, bin ich froh, dass Heki das Laub überhaupt in einer Größe anbietet, die eigentlich am Markt völlig vorbeigeht und damit in unserem Maßstab verwendbar ist.
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Noch ein Nachtrag zu gestanzten, geätzten oder gelaserten Blättern, weil mich die Idee auch eine Weile beschäftigt hat. Um die Form zur Geltung zu bringen, muss man eigentlich alle Blätter einzeln mit Sekundenkleber anbringen. Ich glaube, Botanikus hat hier dazu auch ein paar Experimente gezeigt.

Dieser Youtuber, natürlich aus dem Militariabereich, ist der einzige mir bekannte Modellbauer, der das mit ganzen Bäumen für seine Mikrodioramen tatsächlich mal durchgezogen hat:

Making Your Own Oak Tree

How to Make a 1/35 Scale Plane Tree

Eiche und Platane finde ich geschickt ausgewählt, weil deren Blätter recht dick und intransparent sind, das funktioniert auch mit Naturmaterial. Besonders bei der Platane finde ich das Ergebnis schon beeindruckend.

Der arme Mensch hat aber wohl zumindest an der Eiche einen ganzen Monat lang nur Blätter angeklebt. Und das bei doch recht übersichtlichen Bäumchen, deren Blätterpracht eher im Spätherbst realistisch wäre. Mich würde es enorm interessieren, wie mit der Methode ein größerer Baum mit etwa der 50fachen Zahl von Blättern aussehen würde. Aber ich selbst werde da wohl eher nicht als Freiwilliger vorangehen.
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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Hallo,

ich habe noch zwei kleine Bäumchen gebaut, weil ich für meinen geplanten Gebirgsbach etwas Begrünung brauchen kann. In Graubünden wachsen an Bächen hauptsächlich Grau-Erlen, also habe ich mich daran orientiert. Die Bäume werden typischerweise nur 10-15 Meter hoch und haben eine etwas strauchartige Wuchsform. Die Blätter passen von Form und Größe ebenfalls zum Heki-Laub. Stamm und Äste sind eher glatt und grünlich-grau, die Aststruktur gleichmäßig dicht und fein verzweigt. Kurz, in der Umsetzung, abgesehen von Größe und Wuchsform, nicht grundsätzlich anders als die letzte Buche.

Da die Erle am Bach stehen soll, habe ich den Rohling etwas über das Wasser gebogen gebaut mit einer Höhe von etwa 45cm:

Bild

Die vielen kleinen Äste kommen zwar hin, aber die Form des Rohlings habe ich leider nicht ganz zu Ende gedacht. Sträucher haben gerade keinen Stamm als Hauptachse. Auch wenn Grau-Erlen keine Sträucher, sondern Bäume sind, ist so ein einzelner, dicker Stamm doch etwas untypisch. Auch sonst sieht der Rohling irgendwie nicht besonders gelungen aus.

Also nochmal neu, diesmal filigraner mit verzweigterem Wuchs, wieder etwas geschwungen und etwa 50cm hoch:

Bild

Sieht schon etwas besser aus, aber ganz überzeugt bin ich noch nicht. Nach dem Kaschieren der Drahtstruktur und der Lackierung sahen die beiden Rohlinge so aus:

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Dann wieder Aufschießen von Grasfasern an die Drahtenden, die Lackierung ist noch nicht ganz endgültig und wurde später noch etwas grünlicher:

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Und zum Schluss das Heki-Laub:

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Und von der anderen Seite:

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Re: Maßstäbliche Bäume

Beitrag von teppichbahn »

Hallo,

ich habe nichts Neues zu zeigen und möchte nur ein paar Überlegungen und Versuche für zukünftige Baumprojekte teilen.

Mein einziger großer Laubbaum war ja bisher eine alte Eiche, mit der ich aber letztlich ziemlich unzufrieden war. Das war schade, denn die Grundstruktur von Stamm und Hauptästen finde ich immer noch relativ gelungen. Struktur und Textur der kleineren Äste können zwar nicht mithalten, aber das konnte ich damals noch nicht besser, und beim nächsten Mal sollte es routinierter gehen.

Besonders gehadert habe ich aber mit dem Laub aus Birkenschuppen. Die Farbe, obwohl schon ein gelbliches Laubgrün, war mir am Baum zu blaustichig. Die Lackierung war nicht ganz deckend mit braunen Flecken und gleichzeitig viel zu monoton. Insgesamt wirkte die Belaubung flach, stumpf und sah irgendwie nach grobem Papier aus.

Deswegen habe ich mich schon geärgert, überhaupt Birkenschuppen verwendet zu haben, und überlegt, die Belaubung mit Heki-Laub neu zu machen. Das wäre aber eine Kapitulation gewesen. Heki-Laub sieht zwar nicht schlecht aus, aber es ist strukturlos und viel zu klein für eine Eiche.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich meine Erfahrungen mit Pre- und Post-Shading bei der Figurenmalerei anwenden kann, um die plastische Wirkung der Belaubung zu verbessern. Damit will ich Sonnenlicht von oben andeuten, das je nach Winkel von den einzelnen Blätter unterschiedlich reflektiert wird. Besonders bei künstlicher Beleuchtung sieht man im Modell von solchen Effekten gar nichts, also muss man sie farblich selbst erzeugen. Außerdem sind Blätter ja grundsätzlich auf der lichtzugewandten Seite viel leuchtender, auch das konnte ich bisher nicht umsetzen.

Zuerst habe ich die Belaubung noch ein bisschen aufgefüllt und dann mit Isopropanol und ordentlich Acrylbinder alles etwas besser fixiert. Damit habe ich mir selbst ein Ei gelegt, denn irgendwas, vermutlich das Isopropanol, reagiert mit den Sprühlacken und hinterlässt überall weiße Flecken. Und wirklich bombenfest sind die Blätter immer noch nicht; wenn man zu doll gegen Äste stößt, können einzelne Blätter abplatzen. Das gleiche Problem habe ich auch mit Heki-Laub.

Danach habe ich mit Airbrush, Pinsel und sehr grellem Gelb-Grün in mehreren Schritten das Laub aufgehellt, teils einzelne Blätter, teils mit weichen Übergängen, immer nur die Oberseite. Dabei hat mir geholfen, dass die ursprüngliche Farbe der Blätter deutlich zu dunkel und zu gedeckt war. Teilweise habe ich auch etwas Glanzlack beigemischt, um ein wenig Schimmern zu erzeugen.

Außerdem habe ich Stamm und Äste noch sehr grob farblich überarbeitet. Ich hatte damals als Grundierung einfach dick braune Farbe aus dem Baumarkt auf den Rohling geklatscht, weil ich noch nicht gelernt hatte, dass Bäume nicht überwiegend braun, sondern grün-grau sind. Jetzt sieht die Grundfarbe etwas besser aus, aber an die farblichen Details muss ich noch mal ran.

Bisher habe ich nicht ohne Grund von der Eiche nur Bilder draußen oder wenigstens in natürlichem Licht am Fenster gezeigt, jetzt traue ich mich auch an Fotos auf dem Teppich bei sehr unvorteilhafter Beleuchtung:

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Man nimmt jetzt viel besser die einzelnen Blätter wahr, die ganze Krone wirkt plastischer und man bildet sich ein, Lichtreflexe zu sehen. Auf den Fotos sieht man den Unterschied zu vorher natürlich nicht so deutlich, aber mich hat der Effekt wieder ein bisschen mit den Birkenschuppen versöhnt.

Und ein Foto bei wenig indirektem Tageslicht, das sieht natürlich gleich etwas besser aus als unter einer Baulampe:

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Und eine etwas andere Perspektive, bei der Eiche sieht die Struktur je nach Blickwinkel sehr unterschiedlich aus:

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Und das schönste Licht macht immer noch die Sonne, die kriege ich aber leider nicht auf den Dachboden:

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Ja, die Schuppen sind immer noch zu dick, haben nicht die Form von Eichenlaub, die Orientierung ist chaotisch und klumpig, die feinen Zweige unschön und der Naheindruck, naja, sicher nicht Fine-Scale-tauglich. Aber insgesamt gefällt mir die Eiche nach dem farblichen Upgrade jetzt von allen meinen Baumexperimenten trotzdem am besten. Sie ist auch der einzige Baum, der einige Möglichkeiten unseres großen Maßstabes nutzt. Der Rest sind ja im Prinzip nur hochskalierte H0-Bäume.

Ich habe auch bei Bäumen mit Heki-Laub versucht, etwas mit Post-Shading-Effekten zu spielen. Da hatte ich den Ton der Blätter aber schon sehr hell gewählt, so dass ich die Schatten erst abdunkeln musste. Das hat kaum funktioniert, weil man gerade an die ganz schattigen Ecken hinterher schwer herankommt. In Zukunft werde ich den Farbton der Belaubung immer deutlich dunkler wählen als insgesamt angestrebt, damit ich genügend Spielraum für die spätere Aufhellung habe. Auch mit Pre-Shading lässt sich vielleicht, vor allem bei zukünftigen Rohlingen, noch etwas an den Kontrasten drehen.
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