Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

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Moderator: fido

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ottmar
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Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von ottmar »

Hallo zusammen,

eigenlich war das ein Thema aus einer pn - aber vielleicht ist das ein tolles Diskussionsthema - ich hoffe Stefan und Matthias Ihr seid einverstanden.

Es geht um die theoretische Beurteilung von Modellgetrieben:


1. Freilandtauglich
Geschlossenes Gehäuse in jedem Fall - ob LGB oder Selbstbau mit Tatzlager ist gleichgültig


2. Züge mit bis zu 8 LGB 4Achsern auf 3-5%
Faustregel: 1W ABGABEleistung pro kg Lokgewicht. Zum Beispiel Faulhaber ca 80 % Wirkunggrad, gutes Getriebe ca 90 % macht für ne 5kg Lok ca 8 Watt Input bei LGB Böhler Motor braucht's schon 12 Watt! Wenn das Getriebe mehr verluste hat... bestes Beispiel die HGe 4/4 II von Kiss - 60 Watt Input kein Problem


3. Einfache, wenig Wartung
Kugellager und LGB Kohlen - AMZ sind zwar etwas besser halten aber nicht so lange und sind entschieden teuerer


4. Weisst du, was für Motoren im Kiss Berninadiesel sind? Der ist Zugstark und braucht nur wenig Strom.
Bühler, zweigängige Schnecke aus Metall (Messing Stahl), Sinterlager


5. Was für Zahnräder und Schnecken verwendest du für deine Getriebe? Auf was muss man bei den Schnecken und Zahnrädern Achten? Gibt es da Formeln oder so?
LGB und Kugellager von Conrad 10/6 mm mit Bund

siehe www.lemo-solar.de


6. Frage nach Stirnradgetriebe oder Schnecke

Stirnradgetriebe keine Schwungmasse nötig, keinerlei Bremswirkung! (tödlich ohne Bremse im Gefälle (auch über Dekoder nicht ausregelbar), sehr guter Wirkungsgrad

ZWEIgängige Schnecke (LGB Standardgetrebe), Schwungmasse sinnvoll, mittlere Bremswirkung, guter Wirkungsgrad

EINgängige Schnecke (LGB Zahnradlok), Schwungmasse muss!(stoppt aprupt ohne Auslauf), sehr gute Bremswirkung, mäßiger Wirkungsgrad 50 %! Ruckelneigung bergab!


soweit erst mal

Gruß Ottmar
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RhBler
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von RhBler »

Hallo Ottmar und rest
ottmar hat geschrieben: 2. Züge mit bis zu 8 LGB 4Achsern auf 3-5%
Faustregel: 1W ABGABEleistung pro kg Lokgewicht. Zum Beispiel Faulhaber ca 80 % Wirkunggrad, gutes Getriebe ca 90 % macht für ne 5kg Lok ca 8 Watt Input bei LGB Böhler Motor braucht's schon 12 Watt! Wenn das Getriebe mehr verluste hat... bestes Beispiel die HGe 4/4 II von Kiss - 60 Watt Input kein Problem
Also verstehe ich richtig, wenn wir ne 10Kg Lok bauen nehmen wir 13W, dass sind dann bei den vollen 24V beim Digitalbetrieb (höchste Fahrstufe) 0,54A?
Das ist ja eignetlich nicht viel. oder habe ich was missverstanden?

Zu den Faulhabermotoren habe ich noch folgende Frage:
Klingen die alle so laut, wie die die Scheba in den BB Triebwagen oder die HGe 4/4 I.
ottmar hat geschrieben: 6. Frage nach Stirnradgetriebe oder Schnecke

Stirnradgetriebe keine Schwungmasse nötig, keinerlei Bremswirkung! (tödlich ohne Bremse im Gefälle (auch über Dekoder nicht ausregelbar), sehr guter Wirkungsgrad
Also der Scheba BB Triebwagen von Scheba ist mit Stirnradgetriebe, deshalb rollt der auch weg? Ich weiss ehrlichgesagt nicht was ein Stirnradgetriebe ist.
Könntest du mir das noch erklären?

@alle. Könntet ihr auch mal eure erfahrungen mit Antrieben berichten. Was sich bewährt und was nicht?

Und auch Bilder mit dem Aufbau als Anschauungsmaterial? Wir haben eben beide noch keine erfahrung mit dem Antriebsbau und möchten uns jetzt einen Antriebentwickeln, der gut ist. Den entwickelten Antrieb möchten wir denn mit den kleinen Anpassungen der verschiedenen Fahrzeuge ¨überal einsetzen können.
Ich danke schon mal für eure Hilfen.


MfG Stefan
theylmdl
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von theylmdl »

Hallo!

Die gängigen Formeln für Getriebe-Auslegungen findet Ihr hier: http://www.themt.de/mt-0060-drgr-49.html .

Das Thema ist interessant, sollte aber nicht von den sonstigen Begleitumständen getrennt betrachtet werden (zum Beispiel dem Platzbedarf, der Verfügbarkeit passender Getriebe-Abstufungen, digital- oder analog-Betrieb etc.).

In der Liste fehlen noch Getriebe mit einer Teller- oder Kegelradstufe oder Riemenscheiben-Getriebe, die auch einen guten Wirkungsgrad haben können. Je kleiner das kleine Kegelrad oder das Ritzel für das Tellerrad, desto schlechter wird der Wirkungsgrad.

Ebenso fehlt der Hinweis, dass eine Schwungmasse nur dann sinnvoll ist, wenn sie auf einer schnell drehenden Welle, beispielsweise an einem Getriebe-losen Motor, läuft. Das wird bei Schneckengetrieben jedoch oft möglich sein. Der innere Bereich der Schwungmasse ist vergleichsweise irrelevant, wichtig ist ein großer Durchmesser. Wie mich fido jedoch belehrt hat, nützt die Schwungmasse im Digitalbetrieb nicht so viel, da "der Decoder den Motor fest im Griff hat".

Ich komme noch 'mal auf die Platzfrage zurück. Zuweilen kann es durchaus sinnvoll sein, auf Schneckengetriebe zurück zu greifen, weil sich so wesentlich mehr Ballastgewichte unterbringen lassen. Das dürfte besonders bei kleinen Triebfahrzeugen der Fall sein.

Bei Lokomotiven mit Stangenantrieb spielt auch noch die Kraftübertragung zwischen den Treib- und Kuppelachsen eine Rolle. Riemen? Ketten? Zahnräder? Tellerräder? Kuppelstangen? Schnecken? Schnecken und Tellerräder haben den Vorteil, das sie bei einer Allrad-Auflage (Dreipunktlagerung) keine Probleme machen, Kuppelstangen jedoch nur, wenn sie "labberig" genug ausgeführt sind.

Ein weiterer Punkt ist der Massenausgleich und die erwähnte Dreipunktlagerung. Der Stromverbrauch eines Toytrain®-Motörchens steigt enorm, wenn eine Achse Dreipunkt-gelagert ist und genug Last am Haken hängt. Da können leicht schon 'mal 35 Watt zusammen kommen.

Ich denke, diese Fragen lassen sich nicht pauschal, sondern nur im konkreten Fall beantworten.

Beste Grüße,
Zuletzt geändert von theylmdl am Fr 9. Apr 2010, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.
Thomas Hey'l - info@themt.de - www * themt * de
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fido
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von fido »

Hi,

hier ein paar Links zum Thema Getriebebau und Erfahrungen mit Antriebsselbstbau:

phpBB2/viewtopic.php?t=345
phpBB2/viewtopic.php?t=4673
phpBB2/viewtopic.php?t=3545
phpBB2/viewtopic.php?t=3683

Ich bin ein Fan von Faulis mit Stirnradgetriebe. Ich kenne keinen Antrieb, der so robust ist, so leicht leicht läuft und bei das Fahrzeug so weich rollt. Außerdem ist er leise. Der Preis ist leider ein Nachteil ;)

Eine weitere Chance ist der Einbau von Einzelachsantrieben, womit einzeln gefederte Achsen leichter zu realisieren sind.

Ich rechne bei Faulis mit Stirnradgetriebe mit ca. 2W pro Achse und Achslast bei ca 30 Vorbild-km/h - aber das hängt sehr von der Endgeschwindigkeit ab. Ich vermute, meine Modelle sind etwas schneller untersetzt als Ottmars. Ich muss aber klar sagen, dass mich Ottmars Antriebe sehr überzeugt haben - daher baue ich auch keine Industrieantriebe mehr ein.
:runningdog: Viele Grüße, fido
ottmar
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von ottmar »

Hallo Stefan,

Also theoretisch wäre das für eine 10 kg Lok schon richtig, wenn eben nicht die leidigen Verluste wären. Die meisten Getriebe haben nämlich die unangenehme Eigenschaft unter Last viel Reibung zu produzieren. Außerdem bricht der Wirkungsgrad der Glockis auch im oberen Lastbereich auch auf etwa 60 % zusammen (Eisenanker sind da zwar nicht so anfällig aber über 40% ist bei einem Bühler auch nicht zu erwarten. In der Praxis kommen dann doch eher 2 bis 3 Ampere zusammen. Ich hatte deshalb auch die Abgabeleistung gemeint am Rad!

Faulhabernmotore sind mit das lautlosteste an Motore was es gibt - aber Strirnradgetriebe besonders Metall auf Metall sind schon erschreckend laut. Abhilfe könnte wie beim Auto ein schrägverzahntes Strirnradgetriebe schaffen. Ob der Aufwand dafür gerechtfertigt ist wage ich aber mal zu bezweifeln.

Wegen der mangelnden Bremsleistung laufen Deine Schebas eben gerne jede Steigung nach. Das ist aber vorbildgerecht und spricht für den guten Getriebewirkungsgrad.


Fido: Könntest Du noch mal Deine Erfahrungen mit Deinem Pseudo-Diesel-hydraulischem Antrieb posten? Also Tatzlager plus direktgekoppelten Generator. Deinen Ausführungen in Schkeuditz was einfach nichts hinzuzufügen!

Gruß Ottmar
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matthias
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von matthias »

Hallo Zusammen

Ich melde mich auch mal zu Worte, ich werde ja im Eingangsposting auch erwähnt. Also Stefan und ich haben einfach gedacht, wir können ein Pauschal - Getriebe bauen. Eins das immer passt und immer gleich aufgebaut ist. Für 2 und 4 achsige Loks mit und ohne Zahnrad. Man muss das Vorhaben sich das als Quasi - Standart vorstellen. (Natürlich Standart nur für uns zwei, oder jeden anderen der Lust hat).


Frage an alle: Ist das insofern überhaupt machbar und ist es sinnvoll?

Theoretisch könnte man ja auch noch eine kleine Unterteilung vornehmen, so dass bei unterschiedlichen Ansprüchen andere verwendet werden, dann gäbe es z.B. nicht 1 Standardgetriebe, sondern 4. Man wählt jeweils eines aus den 4, das am besten passt.


Ich habe mir folgende Unterteilung überlegt:
- 2 - achsige Loks mit Zahnrad
- 2 - achsige Loks ohne Zahnrad
- 4 - achsige Loks mit Zahnrad
- 4 - achsige Loks ohne Zahnrad

Für jeden der 4 Anforderungen braut man sich jeweils ein Getriebe, dass denn jeweils Verwendung findet.

Frage an euch, ist die Unterteilung so überhaupt sinnvoll? Müsste man die Unterteilung anhang von anderen Merkmalen machen, wie z.B Gewicht, Grösse, etc.?


Danke für eure ausführliche Hilfe
Liebe Grüsse
Matthias
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fido
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von fido »

Hallo Ottmar,

ich schreibe noch etwas :-)


Hallo Matthias,

beim Getriebebau zählt eigentlich nur Erfahrung. Und man zalht auch genug Lehrgeld. Daher empfehle ich Dir, in den nächstem Monaten bis Jahren einfach selbst verschienene Getriebe für Deine Modelle zu bauen, diese auf verschiedenen Anlagen zu erproben und selbst Erfahrungen zu sammeln. Am Ende weisst Du genau, die Dein persönliches Univeralgetriebe aussehen muss.
:runningdog: Viele Grüße, fido
cp
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von cp »

Hi,

noch ein kleiner Hinweis von einem (noch :?: -) nicht-Getriebebauer aber fleissigem Katalogleser :wink: :

In einem Katalog habe ich Angaben über den Wirkungsgrad von Schneckengetrieben gefunden. Bei den für Modellgetriebe interessanten Wellenabstand von 10 bis 19 mm liegt für eine Stahl/Bronze Kombination der Wirkungsgrad bei:

- einer eingängigen Schnecke M=0.5 von 32% bis 37%
- einer zweigängigen Schnecke M=0.5 von 48% bis 54%

- einer eingängigen Schnecke M=0.75 von 37% bis 43%
- einer zweigängigen Schnecke M=0.75 von 54% bis 59%

Grüße

cp
ottmar
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Re: Getriebefrage: Theorie und praktische Erfahrungen

Beitrag von ottmar »

Hallo Matthias,

für Zahnradloks habe ich mittlerweile einen ganz persönlichen Favoriten:

Getriebe BOB HGe 3/3 (ottmar)
Bild

ist im Endeffekt ein sehr einfach modifiziertes LGB (Zahnrad-)Getriebe -statt der eingängigen eine zweigängige aufgezogen - die große Schwungmasse bringt noch die nötige Ruhe..



Hallo CP,

danke für die genauen Zahlen, meine groben 50% waren nämlich nur provisorisch mit zwei Fauli und einer Glühlampe gemessen... (LGB Schneckenrad)

..und das die so schlecht wären hätte ich nicht geglaubt...

Gruß Ottmar
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