Vor etwa 10 Jahren habe ich aus einer spontanen Laune heraus den Wismarer Schienenbus zerlegt, der eigentlich in den Fahrzeugpark meiner Eltern eingereiht ist. Die Idee war ursprünglich nur eine schnelle Digitalisierung.
Dann kamen die Ideen...
Warum nicht in jede Motorhaube einen eigenen Lautsprecher unterbringen?
Und könnte man dann nicht auch noch den Motorsound fahrtrichtungsabhängig machen?
Im Vorbild läuft ja immer nur ein Motor...
Und das Tomatenrot von LGB sieht auch nicht wirklich schön aus. Viel zu knallig und viel zu weit weg vom Vorbild.
Man könnte also ja auch noch etwas neu lackieren...
Und wenn man einmal dabei ist, gehören da ja auch LKW-Scheinwerfer dran...
Da liegt doch noch was in der Bastelkiste, von Revell aus Plastik... aber ohne Streugläser... Hmm...
Naja berufliche Veränderungen, Umzüge, Ausbildungen usw. ließen den Triebwagen für eine Weile zerlegt zurück.
(etwas zum Unmut der Eltern, denn eigentlich gab es ja keinen direkten Anlass den Triebwagen überhaupt zu zerlegen...)
Die damalige Decodertechnik erlaubte die technischen Ideen noch nicht im vollen Umfang umzusetzen
und so passiert es eben, dass solche Projekte eine längere Zeit ruhen.
Im Sommer 2024 kam das Projekt dann wieder in Gang, mein Vater arbeitete daran auf Basis der Märklin
Spur 1 4-achsigen Abteilwagen eine Garnitur für den Ruhr-Schnellverkehr umzubauen.
Also konnte ich die Gelegenheit nutzen, Ihm auch die Triebwagenteile vorzulegen, der diese dann zusammen mit den Abteilwagen sehr professionell in dem Reichsbahnschema weinrot-beige und doppelten Zierlinien lackiert hat.
Ich selbst hätte die Lackierung nie so gut hinbekommen.
Von da war auch klar, wie der Triebwagen denn genau aussehen sollte, wenn er fertig wird:
Lose orientiert an dem heutigen Museumstriebwagen T41 des DEV, allerdings in der tatsächlichen Ausführung eines fiktiven privaten Kleinbahntriebwagens der 30er Jahre.
Das Farbschema ähnlich, aber nicht 100%ig entsprechend der damaligen DRG-Normen.
Die fertig lackierten Teile landeten dann aus Zeitgründen für ein weiteres Jahr in einer Kiste, bevor ich vor einigen Wochen im Herbst wirklich mal angefangen habe den Umbau ernsthaft in Angriff zu nehmen.
Normalerweise ein ZIMO-Mann durch und durch, habe ich mich seit dem Wechsel zu den MS-Decodern weitgehend aus der Wiener Szene zurückgezogen, ursprünglich aus Zeitgründen (das werdet Ihr hier noch öfter lesen...).
Für das Triebwagenprojekt habe ich zunächst wieder nach ZIMO rübergeschielt, musste dann aber leider etwas enttäuscht feststellen, dass sich programmiertechnisch dort nicht nur nicht viel getan hat, sondern der Wechsel auf die MS 16-bit Technik wohl auch nicht so elegant gelungen ist und Funktionen aus der 8-bit Zeit nicht mehr übernommen wurden aber gleichzeitig neu eingeführte Funktionen nicht richtig funktionierten.
Also zum ersten mal mit Esu herumprobiert. Naja der Loksound 5 L Decoder ist schon ein feines Stück Technik, indem man sich mit allen möglichen Spielereien leicht verlieren kann.
Hier mal ein kleiner Einblick in den Motorablauf....

Zwischendurch kam noch die Idee auf mit einer eigenen Transistorschaltung die Lichtausgänge mit einem Tiefpassfilter zu faden, damit ich die PWM einerseits für die Kamera glätten kann (für ein LED flackerfreies Kamerabild) und andererseits auf die eigentlichen Funktionsausgänge statt des Fading-Effektes, andere Effekte zu setzen, die die Helligkeit der Beleuchtung in Abhängigkeit zur gehörten Drehzahl des Motors setzen sollten, damit eben wie bei 6V Bilux Anlagen im Vorbild auch, die Scheinwerfer im Anlassen dunkel Flackern und bei Vollgas hell aufleuchten.
Nach viel Gehirnschmalz musste ich diese Idee aus Platzgründen allerdings wieder verwerfen, weil ich auch so schon Mühe genug hatte, die ganze Technik in der Getriebewanne unterzubringen. Alles andere wäre keine Option gewesen, der Innenraum sollte (möglichst) technikfrei bleiben.
Nachdem ich nun so viel Mühe in die Planung und Programmierung gesteckt hatte, wollte ich auch optisch noch ein bisschen was herausholen aus dem LGB Modell. Leider ist der Führerstand des Triebwagens von Lehman aus nicht sehr vorbildorientiert, einen Fußraum sucht man hier vergeblich und die Armaturentafel hat mit dem Original absolut nix gemein. Zugegeben, den Fußraum habe ich selbst nicht umgesetzt, da ich den Platz unter der Motorhaube für den Lautsprecher brauchte...
Aber zum Glück gibt es ja mittlerweile CAD-Programme und Leute, die exzellente 3D-Drucker besitzen. Ist zwar nicht das Allheilmittel, aber für Bereiche die man nur indirekt sieht ist der 3D-Druck ein dankbares Werkzeug.
Also zeichnete ich nach Fotovorlage einen Führerstand der dem Vorbild des DEV nun sehr viel mehr entsprach, für den einen Führerstand voll ausgestattet und für den anderen Führerstand mit "geschlossener Schranktür" da der nicht genutzte Führerstand ja vor unbefugter Bedienung geschützt werden muss und der Lokführer im Modell ja nur auf einem von beiden Führerständen sitzen kann...
Wismarer Schienenbus Umbau / Superung (TourTourbahner)

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Wo ich einmal dabei war, habe ich dann auch gleich eine aufsteckbare Schlussscheibe gezeichnet, die am Zugschluss vor den Kühler gesteckt werden kann. so gesehen auf einem Schienenbusfoto aus den 60er Jahren.
Wismarer Schienenbus Umbau / Superung (TourTourbahner)

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All die Vorbildinformationen bezüglich der Triebwagen, inklusive der Fotos auf die ich mich beziehe, kann ich hier aus Urheberrechtsgründen natürlich nicht posten, Sie finden sich aber in folgender Fachliteratur:
Zeitschrift ("Die Museums-Eisenbahn")
DME IV/2000
DME I/2001
DME II/2001
DME I/2000
Eisenbahn Kurier Special 129 "Wismarer Schienenbus" (Untertitel: Das "Schweineschnäuzchen")
Weiterhin bin ich auch mit jemandem befreundet, der privat einige Jahre einen Ford Model A als Tageswagen gefahren hat und mir mit Rat und Tat zur Seite stand, sowohl was detaillierte Technikfragen als auch was die Versorgung mit passenden, authentischen Tonaufnahmen betrifft.
Daher wusste ich auch, dass nicht alle, aber doch der ein oder andere Ford A Fahrer, ein hübsches, verchromtes Messing Kühlerthermometer auf seinen Kühler geschraubt hat.
Das Ding wurde selbstverständlich auch gezeichnet und 3D-gedruckt.
Wismarer Schienenbus Umbau / Superung (TourTourbahner)

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Nachdem nach und nach Elektronik und 3D-Druckteile vollständig waren, ging es im Weihnachtsurlaub dann mit dem eigentlichen Modellbau los.
In den ersten Tagen habe ich mich zunächst um die Bemalung der Inneneinrichtung gekümmert, wobei die Figuren noch zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt werden. Die Holzstruktur habe ich durch eine 2-Schicht Lackierung erreicht, wobei ich den Untergrund hell ocker grundiert habe und dann mit normaler Möbelschutzlasur mit einem Borstenpinsel überbürstet habe. Das System hatte mein Vater schon mit seinen Abteilwagen sehr erfolgreich erprobt.
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hinter der Armaturentafel habe ich noch eine kleine LED für die Ladekonotrolleuchte untergebracht, ansonsten ist der Innenraum weitgehend technikfrei. Die Führerstandsbeleuchtung wurde vorbildorientiert ersatzlos gestrichen, während die Innenraumbeleuchtung mit einer weissen Zwischendecke aus ABS und einigen warmweissen LEDs vorbildgerecht neu angeordnet wurde.
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Aussenrum habe ich dann noch die Halterungen für die Zuglaufschidkästen positioniert, dafür habe ich die vergoldeten Decoderpins genutzt, die schön abgewinkelte Form konnte ich dafür ideal weiterverwenden.
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Die Griffstangen habe ich zunächst einfach nur silbern angemalt, da das aber ziemlich unprofessionell aussah (durch den flexiblen Kunststoff blättert die Farbe sehr schnell ab) musste eine andere Lösung her. Die zündende Idee kam mir beim Einkaufen: Fahrradspeichen! Also ab in den Fahrradladen und eine Hand voll Speichen in verschiedenen Durchmessern besorgt. Diese habe ich entsprechend gebogen, abgelängt und an den Spitzen leicht konisch geschliffen.
Als "Widerlager" mussten vernickelte Hohlnieten herhalten die mit dem Gehäuse verklebt wurden.
Die Griffstangen habe ich dann einfach mit den Hohlnieten verpresst (dank der konischen Spitzen kein Problem) und zusätzlich verklebt. Fertig waren die edlen Chromgriffstangen
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Weiter ging es Dann mit den LKW-Lampen:
Hier habe ich auf Gussmodelle von Strauss zurück gegriffen, die entsprechen zwar nicht 100%ig den originalen, kommen aber für mich nah genug dran.
Die Streugläser nach Bosch-Vorlage habe ich auch hier wieder im CAD gezeichnet und Tobias Feld konnte mir diese in einer Spitzenqualität ausdrucken. Die Lampen selbst wurden mit warmweissen und roten SMD's zum Leuchten motiviert.
Damit aus der Lampe dann keine 4 Lackdrähte rausgucken, habe ich mir dann noch die Stoffummantelung von Stoffkabeln abgefriemelt und vorsichtig als "Isolierung" über die Lackdrähte gefädelt. So hat das ganze noch einen kleinen "Vintage Look" was bei einem Triebwagen nach 30er Jahre Vorbild ja vielleicht nicht völlig unpassend ist
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Die Technik:
Verwendet wurde hier wie schon weiter oben beschrieben ein ESU Loksound L Decoder, 2x ESU Bassreflex Lautsprecher,
2x bistabile Relais, ein LGB Poti, 2x kleine Microschalter an einer Pendelachse, in einem späteren Soundupdate sollen darüber Gleiszirpen in engen Kurven getriggert werden sowie ein kleiner Schiebeschalter zum Umschalten zwischen vereinfachten und vollem Schlusssignal. (Da ich ja schon für die beiden Bistabilen Relais 4 Funktionsausgänge benötige, wollte ich für das Schlusssignal nicht noch mehr FA's verbraten...)
Da das alles unter der Bodenwanne Platz finden sollte, musste als erstes der Motor in einen Schrumpfschlauch eingepackt werden, um Kurzschlüsse mit dem Decoder zu vermeiden.
Nachdem ich in einem ersten Versuch mit viel zu viel Kabelgewölle die Technik nicht wirklich unterbringen konnte, musste radikal Platz geschaffen werden. Dazu wurden von der Bodenwanne die beiden Stirnwände mit den jeweiligen Kardantunneln abgesägt und als "Platzhalter" im Boden verschraubt.
Nun konnte ich die Technik völlig frei am Wagenboden platzieren und ganz zum Schluss die Wanne mit einfachen ABS Platten wieder verschließen. Dabei musste ich nur 2 Positionierungsbrillen zur Fixierung des Motors hinzufügen.
Wismarer Schienenbus Umbau / Superung (TourTourbahner)

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Tja, das war's dann auch schon mit meinem Bericht. Mir persönlich hat diese ganze Geschichte gezeigt, dass man bei bestimmten Modellen auch schon mit relativ wenig Aufwand sehr viel erreichen kann.
Nachfolgend noch einige Fotos im Garten vom Endergebnis und ein Video indem das Soundprojekt noch ein bisschen detaillierter vorgestellt wird. Dazu bitte die Untertitel einschalten, darüber habe ich alle Funktionen umfangreich beschrieben.
Ich hoffe Ihr hattet ein bisschen Spaß beim Lesen,
Liebe Grüße
Georg
Wismarer Schienenbus Umbau / Superung (TourTourbahner)

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