Hallo zusammen,
noch einmal zur Orientierung, wo wir uns gerade aufhalten: Badezimmer und Büro sind fertig - das sind die Räume links vom Flur. Gegenüber des Büros befindet sich das Schlafzimmer, dahinter das Kinderzimmer und ganz hinten ein Esszimmer, von dem eine weitere Tür zum später beim Vorbild zugefügten Anbau abgeht. Ich möchte an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass die Raumnutzung und Zusammensetzung der Inneneinrichtung im Obergeschoss aus verschiedenen Gründen reine Phantasie ist - wie toll ist das! Die einzelnen Objekte hingegen haben immer reale Vorbilder.
Der gegen den Uhrzeigersinn nächste Raum nach Badezimmer und Büro ist also das Schlafzimmer, das entsprechend des Zeitgeschmacks der ersten Jahrzehnte nach der Jahrhundertwende eingerichtet ist.
Allein mit dem Thema Schlafzimmerbilder kann man sich stundenlang beschäftigen. Ich habe mich für ein Motiv von
Josef August Untersberger entschieden: "Die heilige Familie".
Ich
zitiere:
"Das um 1926 von Josef August Untersberger (1864–1933) entworfene Schlafzimmerbild ist in einem vergoldetem achteckigem Stuckrahmen hinter Glas erhalten. Das Jesuskind steht auf dem Schoß Mariens und wird von ihr mit beiden Händen gehalten. Rechts von beiden steht Josef [...]. Typische Schlafzimmerbilder im Handtuchformat hingen in der ersten Hälfte des 20. Jh. nicht nur über bäuerlichen Ehebetten. Das extreme Querformat ergab sich aufgrund der geringen Deckenhöhe der Schlafzimmer. Das Schlafzimmerbild mit der Darstellung der Heiligen Familie ist ist eines der verbreitetsten seiner Art und wurde in hoher Auflage gedruckt."
Das
Bett und seine Entstehung hatte ich schon gezeigt - aber man kommt ja dann vom Hölzchen aufs Stöckchen: Zu einem Ehebett gehörten in dieser Zeit auch Nachttische.
Die beiden Exemplare sind vollständig aus Holz entstanden. Dazu habe ich Furnier so lange aufgedoppelt, bis ich die jeweils erforderliche Wandstärke erreicht hatte.
Spannend fand ich die Herstellung der gerundeten Füße. Für die Bodenplatte hatte ich dazu eine dickere Platte aufgeleimt und mit Sekundenkleber verfestigt, die ich dann im Bohrständer mit einem Kugelfräser und einem Anschlag im Schraubstock in fester Aufspannung allseitig bearbeiten konnte.
Die Türen sind beweglich, ich lasse sie aber geschlossen, denn sonst müsste ich mich auch noch mit Wäsche oder anderen Heimlichkeiten beschäftigen.
Ganz ähnlich entstand auch der Schlafzimmerschrank, allerdings sind dort auch etwas minderwertigere Materialien zum Einsatz gekommen. Ein wunderbares Material sind die Holzverpackungen von französischem Weichkäse - toll, dass es das noch gibt (ich meine die Verpackungen aus Holz, für den Käse gilt das aber auch!).
Nachttisch- und Kommodenschränke waren früher oft mit Glasscheiben belegt. Jetzt fehlten noch Nachttischlampen. Die sind im Resin-3D-Druck entstanden. Die gefalteten Lampenschirme bekomme ich in dieser Größe nicht überzeugend aus Papier hin.
Und nun hatte ich ein Problem. Die gesamte Stromversorgung erfolgt unsichtbar über die Schornsteine und von dort etagenweise über Steckplätze durch die Böden zu den Deckenlampen. Leider waren alle Steckplätze bereits belegt und die Ober- und Unterseiten der Etagenböden bereits fertig gestaltet, so dass ich dort keine Leitungen mehr verlegen konnte, ohne alles wieder aufzureißen.
Glücklicherweise verlief an der Fassade des Hauses aus diesem Zimmer eine Leitung, die ich als Stromversorgung nutzen konnte, allerdings gibt es keine mehrpoligen Leitungen mit nur 0,4 bis 0,6 mm Durchmesser. Die Idee, Kupferlackdrähte in einem Schrumpfschlauch zu verlegen, erwies nicht als gangbarer Weg, denn die angegebenen Durchmesser beziehen sich auf den Innendurchmesser - das war nicht der Fehler des Lieferanten, sondern meine Unwissenheit.
Versuch macht klug, also habe ich vier Kupferlackdrähte mit jeweils 0,1 mm Durchmesser mit Hilfe des Dremels verdrillt und anschließend erstmal durchgetestet, um sicherzugehen, dass die mechanische Belastiung keinen Kurzschluss erzeugt hat. Dann habe ich das so entstandene "Seil" mit Hilfe eines Gewichts unter Spannung (nein, Strom war keiner drauf) aufgehängt und mit einer Mixtur aus weißer Aquacolor-Farbe von Revell (ich erhalte für die Nennung Tantiemen, Ruhm und Ehre) und Vallejo Stillwater (dito), das etwas flexibel bleibt, so lange bestrichen, bis die Drillstruktur nicht mehr sichtbar war.
Um das Kabel an der Fassade analog zum Vorbild verlegen zu können, musste das Umleitungsschild nochmal weichen, das ich bei dieser Gelegenheit nocmal neu gemacht habe, da die seinerzeit verwendeten Farbwerte nicht ganz korrekt waren.
Jetzt leuchten sie, wahlweise auch unabhängig voneinander schaltbar.
Auf dem Nachttisch liegt "Stiller" von Max Frisch in der Erstausgabe von 1954.
Schönen Gruß,
Volker