%s Foren-Übersichtbuntbahn.de buntbahn.de
Forum für maßstäblichen Selbstbau von 1:1 bis 1:32
Unser Schwerpunkt ist 1:22,5 (Modelleisenbahn in II, IIm, IIe und IIf)
mehr...
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen
 FotosFoto-Galerie   Aktuelle BeiträgeAktuelle Beiträge   KalenderKalender   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

(Straßen)bahnfahrzeuge aus dem RNV-Verkehrsgebiet

Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    buntbahn.de Foren-Übersicht -> Fahrzeuge
Beiträge ausdrucken :: Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen :: Ganz nach unten  
Autor Nachricht
Wilhelm
Buntbahner
Buntbahner


Anmeldungsdatum: 21.02.2003
Beiträge: 1079
Wohnort: Dumeklemmer-City

BeitragVerfasst am: 19.01.15 22:09    Titel: Re: (Straßen)bahnfahrzeuge aus dem RNV-Verkehrsgebiet Antworten mit Zitat

Hallo Lupinenexpress,
Dein Bericht über den OEG Rastatter, wie alle Deine Bauberichte, ganz wunderbar und lehrreich! Ja, er gefällt mir wirklich. Immer wieder lernt man für seine eigene Bastelei etwas hinzu. Applaus gut Lachend
Nur ein winzige Kleinigkeit hätte ich noch gerne gesehen! gruebel Frage
Plötzlich waren die Fenstergummi zu sehen. Wie kamen sie dahin? Sicherlich steht dies in vorherigen Berichten von Dir. Muss ich mal suchen. nix weiss
Weiter so, ich freue mich schon auf den nächsten Baubericht! Lachend Große Zustimmung Freude heiss heiss
Wilhelm Yau
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Permalink
Lupinenexpress
Buntbahner
Buntbahner


Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 637
Wohnort: In der Stadt zwischen Rhein und Neckar

BeitragVerfasst am: 14.11.15 02:11    Titel: Re: (Straßen)bahnfahrzeuge aus dem RNV-Verkehrsgebiet Antworten mit Zitat

Es gibt wenige Straßenbahnbetriebe, bei denen man einen – zumindest für einzelne Epochen – „typischen“ Wagentyp ausmachen kann.
Man schaue beispielsweise mal nach Heidelberg. Wenn es dort mal eine Wagenserie gab, die mehr als 10 gleiche Fahrzeuge umfasste, war das die Ausnahme.
Mannheim war da anders. Was den Wagenpark anbelangt beschaffte Mannheim stets wenige, aber große Wagenserien. Damit war man lange hochmodern aber fuhr gegen Ende der Nutzungsdauer auch mit einem veralteten Fuhrpark durch die Stadt. Dann kam die nächste Großserie. Daran hat sich bis heute im Wesentlichen nichts geändert. Holzwagen, Verbandstyp, DÜWAG, GT6N.

Abschließend eigentlich ein sehr erfolgreiches Vorgehen. Denn auch zu Zeiten als Holzaufbauwagen oder Düwags längst ihren Zenit überschritten hatten, bestand nie ein Zweifel am Bestand der Straßenbahn. Heute ist die Mannheimer Straßenbahn, deren Rückgrat im Wesentlichen 50 GT6N der Baujahre 1994/95 bilden erfolgreicher denn je und verkehrt auf einem Netz, das im kommenden Jahr nach 1922, 1999, 2005 und 2006 erneut seine größte Ausdehnung erreichen wird.

Und von all den erwähnten „typischen“ Mannheimer Straßenbahnen gibt es insbesondere einen Wagentyp, der das Stadtbild noch länger prägte als der langlebige DÜWAG-GT6: Der Holzaufbauwagen. Über 60 Jahre war er im Stadtbild anzutreffen.



Als 1900-1902 die „Elektrische“ die seit 1878 bestehende Pferdebahn ablöste beschaffte man bei der Hamburger Waggonfabrik Falkenried 120 Wagen des „Siemens-Typs“, wie man ihn auch aus Frankfurt oder Mainz kennt. Bei dieser Gelegenheit spurte man die Straßenbahn vom merkwürdigen Krumm-Maß 1435 mm auf die kurpfälzische Regelspur von 1000 mm um Winke

Hier zu sehen ist übrigens Wagen 113 bei der Eröffnung der ersten elektrischen Straßenbahn nach Ludwigshafen im Sommer 1902. Im Hintergrund übrigens der alte Bahnhof. Heute steht hier das Rathaus-Center.


Ab 1907 beschaffte die Straßenbahn Mannheim-Luwigshafen die ersten Wagen mit geschlossenen Plattformen, die weitestgehend dem Muster entsprachen, wie man sie noch in den zwei Jahrzehnten darauf beschaffen würde.
Nach einer erneute Serie von Falkenried lieferten auch Rastatt und Lindner nach Mannheim, bevor ab 1913 die Heidelberger Waggonfabrik Fuchs zum Hauslieferanten wurde.
Bis dahin hatte man auch festgestellt, dass 3 Meter Achsstand optimal sind.




Bei der Lackierung orientierte man sich anfangs noch an den Wagen der ersten Generation.
Das war – vermutlich- weiß oberhalb der Fensterkante, beige unterhalb der Fensterkante mit einer grünen Zierfläche, die weitere Verzierungen und das Stadtwappen trug. Die Beschriftung erfolgte in schwarz-roter Schattenschrift. Das Dach soll hellgrau gewesen sein. Die Dachkante trug – wie die Wagen der RHB ab 1913 - eine rote Zierlinie.
Hier zu sehen ist der Fabrikneue TW 218 (1914-1962) am Betriebshof Collinistraße zu sehen.


Hier mal einen Blick auf die Herstellerzeichnung von Fuchs. An diesem Grundtyp von Wagen sollte sich lange nichts ändern. Bis in die 20er beschaffte man diese Wagen so.
1927 kamen nochmal zwei Nachzügler mit Tonnendach, die auch Vorbild für einige Umbauten waren. Sie waren die letzte Neuanschaffung bis zum Eintreffen der Verbandstypen ab 1952.



Blick in den Innenraum mit seinen Längsbänken.



Im Laufe der Jahrzehnte erfuhren die Wagen mehrere Umbauten, die darin endeten, dass es kaum noch zwei vollkommen identische Wagen gab, ohne dass der eigentliche Eindruck verfälscht wurde.

Vorerst erfolgte der Tausch des Lyra-Bügels gegen einen Scherenstromabnehmer, der Einsatz von SchaKus und ab Mitte der 30er der Einbau von Blinkern.

Die wesentlichste Änderung im optischen Eindruck war hingegen der Tausch der Seitenbeplankung aus Blech gegen eine solche aus Teakholz. Das sollte typisch werden für die Mannheimer Straßenbahn.
In ähnlicher Form hatten das sonst noch die kleineren Betriebe in Freiburg und Baden-Baden.
Das Teakholz hatte aber wohl weniger optische Gründe als praktische. Unfallschäden, die damals noch öfter an der Tagesordnung waren, konnte man so schneller ausbessern.



Hier sehen wir ein schönes Detailbild aus den 30er Jahren. Fotos aus dieser Zeit sind selten und entstanden meist – wie dieses – als Unfallbilder. Zahlreicher solcher für den Modellbau wichtiger Aufnahmen kann ich dank des „großen schwarzen Volgels“ mein Eigen nennen Grins

Gut zu erkennen ist auch der zweifarbige Lack. Oben in weiß unten in beige.




Erkennen kann man dies auch auf einer kolorierten Postkarte aus den 30ern. Der Mannheimer Hauptbahnhof hatte sein Eingangsportal verloren und sein Vorplatz hat die prachtvolle Begrünung verloren. Dafür hatte man jetzt mehr Platz für den MIV und eine geräumige Straßenbahnhaltestelle, die so noch bis 1973 bestehen sollte.





Während einige Wagen mit komplett teilweise neuen Wagenkästen (Tonnendach, vereinfachte Ausführung) in ähnlichem Erscheinungsbild versehen wurden, ….



….wurden andere im unverändert weiter eingesetzt. Äußerlich erkennbar ist, dass das Rücklicht von oberhalb des mittleren Frontfensters nach unten gewandert ist.
Hier begegnen sich in den frühen 50ern zwei solcher Wagen auf den Planken. Im Hintergrund der Wasserturm mit dem Notdach und zahlreiche Altbauten, von denen man beim Anblick ihrer hässlichen Nachfolger meinen würde, sie seien dem Kriege zum Opfer gefallen.

Leicht OT: Es zeigt sich, dass der Einfluss des zweiten Weltkrieges auf das Mannheimer Stadtbild maßlos überbewertet wird.



Noch trugen viele Wagen die alte Walze mit den Ziel- und Linienanzeigern auf dem Dach:



Wagen 197 auf der Ringlinie 2 am Kurpfalzkreisel in den frühen 50ern. Auffällig die fehlende Abdeckung über dem Zielschild.





Wagen 170 am Collini. Im Hintergrund schon einer der modernen, anfangs auch noch zweifarbig lackierten, Verbandswagen.




Wagen 247 pausiert gerade am Luzenberg, um bald seine Fahrt über die Friesenheimer Insel aufzunehmen. Diese Strecke folgte der heutigen Route der Buslinie 53 und war eine der Mannheimer Hafenlinien. Die 1956 aufgegebene Strecke war eine der wenigen, die in Mannheim stillgelegt wurden.





Einge Wagen erhielten Zielfilme, wie Wagen 251 der am Bahnhof Waldhof einen interessanten Zwischenzustand zeigt.





Im umgebauten Zustand ist hier TW 204 in den frühen 50ern auf vor dem Mannheimer Klinikum zu sehen. Diese Strecke wurde 1964 durch eine neue Streckenführung hinter dem Krankenhaus ersetzt.







Andere Wagen wurden weitgehender umgebaut und erhielten eine große Frontscheibe. Hier sehen wir Wagen 258 in den 50ern.




Ebenfalls in den 50ern ist hier TW 261 in Ludwigshafen zu sehen. Heute ist an dieser Stelle die Haltestelle „neuer Pfalzbau“.




Nur einige wenige Wagen wurden noch weitgehender umgebaut, wie TW 196, später 237 (1913-2007), der mit den Plattformen des Verbandstyps modernisiert wurde. Ihn habe ich mal ausführlich hier beschrieben: http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?t=9792&postdays=0&postorder=asc&start=33


Einen Umbau, dem alle Wagen unterzogen wurden war die Anpassung an die neue BOStrab bis 1959.



So erhielten sie u.a. ein Bremslicht.


Da die neue BOStrab auch eine Spitzenbeleuchtung erforderte erhielten alle Wagen – sofern noch nicht vorhanden – einen Liniennummernkasten. Dafür wurden dann die seitlichen Linienschilder stillgelegt.



Mit diesen Umbauten einher ging auch ein neues Lackschema. Statt der beige-weißen Farbgebung kam nun eine in hellelfenbein (RAL 1015) zum Einsatz, wie sie auf den Düwags noch bis 2003 zum Einsatz kam.
Hier ist TW 206 in den späten 60ern am Kurpfalzkreisel zu sehen. Im Hintergrund das Gewerkschaftshaus und der Heidelberger Bahnhof der OEG.

Zu dieser Zeit endete der Einsatz so langsam. Als letzter wurde der mit Verbandstyp-Plattformen versehene 1971 aus dem täglichen Liniendienst gezogen.


Einige Wagen konnten sich noch als Arbeitswagen nützlich machen:




MA 1932 auf dem Betriebshof Hohwiesenstraße.



LU 3 am Luitpoldhafen








Soweit die Geschichte.


Und, was ist heute geblieben?




…nicht viel…leider.




Nahezu alles wurde verschrottet. Die hölzernen Wagenkästen wurden in Brand gesetzt, womit die Schrottler die verbleibenden Teile abtransportieren konnten.


Als letzter Vertreter „am Stück“ kam 237 1973 ins Hannoversche Straßenbahnmuseum, von wo er 1995 zurückgekauft wurde.





Leider schwand das Interesse von Betrieb und Vereinen schnell. Wenn man sieht, was beispielsweise in Leipzig noch aufgearbeitet wird, hätte man ihn für einen Neuwagen halten können. Von den Vereinen vor Ort, deren Know-how zur damaligen Zeit nicht weit über das Verschrotten und Anstreichen hinaus ging hatte keiner Interesse gezeigt.

So wurde dieser letzte Vertreter 2007 verschrottet.


Alles war das aber dennoch nicht.
Das letzte noch Vorhandene Stück ist die LU-Lore 001:




Sie wurde auf dem Fahrgestell des Verbands-BW 622 aufgebaut. Dieser hatte sein Fahrgestell vom 1913 bei Fuchs gebauten TW 176.

Wenn man sieht, was in Potsdam mit TW 9 gelang, macht das Hoffnung: http://www.historische-strassenbahn-potsdam.de/

Ich hatte 2014 das Glück mit diesem Wagen mitfahren zu können und konnte sehen, dass es sich hier um ein Fahrzeug handelt, das originalgetreuer ist als manch anderes, das über die Jahre hinweg stark umgebaut wurde.






Um diesem Wagentyp ein Denkmal auf der Semmelbahn zu setzen, beschloss ich drei Wagen dieses Typs im Modell in 1:22,5 umzusetzen.

Ausgewählt habe ich die Wagen 247, 204 und 252.




247 sollte im Zustand der frühen 50er mit zweifarbigem Lackschema und dem ursprünglichen Drehschild entstehen.
Er wurde 1925 bei Fuchs gebaut und 1962 ausgemustert und verschrottet.





204 sollte ebenfalls im Zustand der frühen 50er entstehen. Er war damals schon ein Zielfilmwagen. Der 1913 bei Fuchs gebaute Wagen wurde 1962 verschrottet.





Hingegen 252 sollte im Zustand der 60er mit einfarbigem Lackschema entstehen. Er wurde 1965 verschrottet.








Wie üblich wurden die Wagenkästen wieder in Polystyrol (2mm) gefertigt, das ich auf meiner CNC-Fräse bearbeite.







Hier ist TW 252 beim Aufsetzen des Schleppdaches zu sehen. Später habe ich die Dächer noch mit Kreppband überspannt. Das gibt nach meinem Dafürhalten relativ gut die etwas raue Tuchbespannung des Vorbildes her. Leinentuch als Alternative wäre zu grob gewesen, ein glattes Dach wie bei Düwag unpassend.







Alle drei TW nach dem Grundieren.




Trocknen nach dem Lackieren.







TW 252 hebt sich im helleren RAL 1015 ab.







Die Teakholz-Verkleidung wurde aus 1,5-mm starkem Sperrholz gelasert.
Die Scheuerleisten wurden aus einer 3x3 mm starken Kiefernleiste herausgeschliffen.







Die Abdeckungen für die Schilderwalzen wurden einfachst aus 0,5 mm Messingblech und 1er Messingprofilen hergestellt.





Fahrzeugboden mit Fahrwerk im Rohzustand. Diese Einheit bleibt herausnehmbar, um später noch ans Innere des Wagens gelangen zu können.










Die Drehschilder wurden auch aus Kiefernleisten hergestellt.





Als es an die Fertigstellung ging, war der Schreibtisch wieder mal gut ausgelastet Winke







Anbringen der Beschriftung.







Mit Corel Draw und google konnte ich einige passende Werbeschilder erstellen.








Hier alle drei Wagen nach ihrer Fertigstellung.



Bei den Frankenthaler Modellbahntagen konnte ich die Wagen erstmals auf der Semmelbahn einsetzen:


Bild "dsc_09544cqru.jpg" anzeigen.






































Soweit erstmal für heute. Im Keller warten schon weitere Fahrzeuge auf ihre Fertigstellung auf Festplatte und Diskette weitere auf Umsetzung Grins


Alla hopp!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen Permalink
Diese Beiträge einschränken und sortieren (Einstellung wird gespeichert):   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    buntbahn.de Foren-Übersicht -> Fahrzeuge Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4
Seite 4 von 4

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen


Impressum   Datenschutzerklärung
Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
+ Erweiterungen von fido