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Vorbilder - Der Kobelschornstein


Tommy - 05.05.10 13:56
Titel: Der Kobelschornstein
Hallo,

hier möchte ich euch gern die Funktionsweise des Kobelschornsteins erläutern. Der Kobelschornstein ist durch die "Verdickung" am oberen Ende zu erkennen:



Quelle: upload.wikimedia.org/wikipedia/de/d/d0/VII_TS_WEIGSDORF.jpg


Diese Schornsteinbauart sollte verhindern, dass glühende Funken aus dem Schornstein fliegen und Brände auslösen. Moderne Dampflokomotiven haben dafür einen sog. "Funkenkorb" in der Rauchkammer


Nun zur Funktion: Der Abdampf und die Rauchgase kommen durch den Schlot S, dabei prallen die Gase gegen das Prallblech P und werden mehrmals umgelenkt, sodass sich Abgase und Dampf vermischen und die Funken so erstickt werden bzw. sich die schwereren Teilchen am Boden absetzen. Die Abgase treten endlich am oberen Ausgang A aus.





Viele Grüße
Tommy
arne012 - 05.05.10 14:31
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Danke,
wusste ich erlichgesagt nicht. Dem Saugzug tut das allerdings sicher nicht gut, aber wie immer im Leben kann man nicht alles haben.
Gruß,
Arne
baumschulbahner - 05.05.10 15:09
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Da gefällt mir die WEM-Variante dann doch besser mit der Verwirbelung des ganzen.
Hmm, wenn ich mir die Skizze so ansehe, würde ich behaupten, dass das nicht funktionieren kann.
Fehlt da nicht das "Loch" durch P, um wenigstens etwas Dampf durchzulassen?
Denn sonst würde doch der Kobel schnell zugequalmt, und der Qualm diesen nur sehr "unmotiviert" verlassen..
viele Grüsse,
Urias
Dampfer - 05.05.10 15:25
Titel: Re: Der Kobelschornstein
ich denke wenn da richtig Zug drauf ist.... da haut es den auch durch...

wenn ich da an meinen kamin denke... der geht auch um 3 Ecken und hat noch nen Hut drauf...
baumschulbahner - 05.05.10 15:46
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Ja klar, dann schon.
AAABER dein Kamin ist keine Dampfmaschine.
Dein Kamin arbeitet (u.A. mit dem Hut) damit, dass der natürliche Luftzug die Verbrennungsgase absaugt.
Bei einer Dampflok hast du aber genau das Gegenteil, wo der Druck von unten (Blasrohr) kommt, und durch den Schlot entweicht, wobei er die Rauchgase vom Feuer her mitziehen sollte. Wenn du aber nun oben einfach 'nen Deckel drauf haust (oder eben so einen Kobel) dann entsteht nicht geringer Gegendruck...
viele Grüsse,
Urias
Tommy - 05.05.10 16:07
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Vielen Dank für eure Antworten Sehr glücklich

In der von mir verwendeten Originalzeichung war leider nicht zu erkennen, ob das in der Mitte ein nach oben sich erweiternderndes Rohr oder ein Massives Teil ist. Nun bin ich durch Zufall auf eine andere Zeichnung gestoßen, wo es richtig zu erkennen ist. Also in der Mitte ist ein Loch! Das habe ich in der 3D-Ansicht geändert.

Auf jeden Fall verringert so ein Kobel den Saugzug, egal ob mit oder ohne Loch in der Mitte Winke


Viele Grüße
Tommy
Dampfer - 05.05.10 17:46
Titel: Re: Der Kobelschornstein
hallo urias...
ja ist schon klar.... der Hut ist normerweise wie ne Düse... die zieht, wenn auch noch Wind Vorbeiströmt.... aber ich meinte so einen Hut bei dem nur 2 Seiten offen sind... und eigentlich fast noch drückt...

Klar das Teil ist ein Aufpaller... sollte aber funktionieren, wenn genügend druck von unten kommt...
Janosch - 05.05.10 18:49
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Hallo Tommy,
bei der Reihe U? kann ich mich erinnern so Rohre quer dirch Schornstein gesehen zu haben.Ich bin mir bei Baureihen in der schmalen Spur sehr unsicher...Was haben diese für einen Sinn?
Gruß Janosch
edit:Ich meinte die Mh.6 ...
Bahnindianer - 05.05.10 18:56
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Hallo ihr Bunten,

die erste perspektive Zeichnung war richtig, die zweite auch.

Ich habe mal bei Röll und Konsorten (Boris, Heusinger und wie die alle genannt werden) nachgefraht und folgende Ergebnisse gefunden.

Der Funkenfänger mit Kobel nur für leichte Brennstoffe (z.B. Torf, Holz o.ä.) bzw. langsam fahrende Lokomotiven geeignet. Das ganze funktionierte auch nur dann richtig, wenn das eigentliche Blasrohr lang genug war um den Saugzug aufzubauen und der Pralltopf keinen nennenswerten Staudruck aufbauen konnte. Der Abstand zwischen Blasrohrspitze und dem Pralltopf war im wesentlichen von der Art des verwendeten Brennstoffes und der zu befahrenden Strecke abhängig.

Es gibt auch Kobelschornsteine nach der zweiten Version der Zeichnung, diese entsprachen aber dann in der Wirkungsweise eher dem eines Funkenfängers nach Prüßmann und der Kobel konnte seine Wirkung nur bei hohen Blasrohrdruck und gleichzeitig breitem Streuwinkel entfalten.

Man wollte die Funken bzw. Teilchen ncht soweit ersticken sondern auf ein ungefährliches Maß abkühlen. Der Auswurf der nicht mehr "brandgefährlichen" Teilchen war mehr erwünscht. So konnten sich Rohre nicht zusetzen, der Wartungsaufwand war erheblich geringer und der Saugzug konnte stetig am Maximum bleiben.

Sind Rohre erst einmal zu wissen wir alle was dann noch geht. Deshalb sollte das Zeug möglichst raus aus der Rauchkammer. Trotzdem war das ziehen der Lösche nach jedem Einsatz eine ungeliebte Tätigkeit die aber gemacht werden mußte. Und regelmäßig mußte auch deshalb die Rohre durchgeblasen werden.

Da das Thema Funkenfänger, darum handelt es sich letzt endlich beim Kobelschornstein, sehr umfangreich ist, ist allein achon aus der Tatsache, das es mehr als ein Dutzend unterschiedliche Arten von Funkenfänger gibt erkennbar

Im übrigen gab oder gibt es auch noch einen Kobelschornstein mit Ablenkungsrohren die einen kleinen Zyklon im Kobelaufsatz verursachen. Das ist wohl das was mit den waagerechten Rohren im Kobel bezeichnet wurde.

Gruß von Georg - dem Bahnindianer
Maschinist - 07.05.10 15:18
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Mahlzeit,

hier mal ein Schnitt durch den Kobelschornstein der Bauart Rose, wie er bei der WEM verwendet wird. Diese Bauart kam vermutlich durch die von Krauss an die WEM gelieferten Loks in die Lausitz. Offenbar bewährte sich diese Bauart am Besten, weshalb sowohl die 1912 direkt von Borsig gelieferte 99 3312 als auch die rund ein Dutzend Brigadeloks, welche nach dem ersten Weltkrieg gebraucht erworben wurden, mit Rose-Kobeln ausgerüstet worden sind.



Zentrifuge im Inneren.


Als Brennstoff diente schon damals Steinkohle. Die sog. "Turbine" oder Zentrifuge mit den feststehenden Leitschaufeln sorgt dafür, dass die schwereren Partikel nach aussen gegen die Wandung gedrückt und abgefangen werden, während die Rauchgase nach mehrfacher Umlenkung den Kobel verlassen.

Gruß Sven
grcaprez - 07.05.10 18:21
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Tommy

deine Querschnittzeichnung ist korrekt, ohne direkten Durchgang von S nach P.

Die 3D-Darstellung ist falsch, oberhalb von S ist ein Boden im Gussstück. Die Idee des Funkenfängers ist ja, die Rauchgase durch scharfe Krümmungen zu jagen, damit die schweren Funken geradeaus sausen und abgelagert werden, während die leichten Gase den Bogen schaffen. Auch die Schornsteine auf Zentrifugalbasis arbeiten nach diesem Prinzip.

Natürlich ist der Zug bei Funkenfängerschornsteinen massiv verschlechtert, aber wie man sagt: man kann nicht alles haben.

Gion
Tommy - 07.05.10 22:37
Titel: Re: Der Kobelschornstein
Hallo Gion,

beide Varianten wurden verwendet: Ohne Loch für niedrige Geschwindigkeiten, mit Loch für höhere. Jedoch sollten die Funken nicht abgelagert werden sondern nur auf ein "ungefährliches Maß" abkühlen Winke

In Zeichnungen von Hartmann-Loks habe ich beide Varianten aufgefunden.

Viele Grüße
Tommy

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