buntbahn.de

Allgemeines - Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeumbau?


StefanM - 22.12.08 21:51
Titel: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeumbau?
Hallo Buntbahner,

ich habe zu dem Thema ruckelnder Zahradloks bei Talfahrt in verschiedenen älteren Beiträgen gesucht und bemerkt, daß das wohl ein oft auftauchendes Problem ist, aber eigentlich keine befriedigenden Antworten gefunden. Und ehe ich das Thema (und meine Träume einer in doppeltem Schrittempo verkehrenden Zahnradbahn) für immer begrabe, muß ich einfach nachhaken.

Ich hatte eine Zahnradstrecke mit ca. 18 - 20% Gefälle und sowohl meine Brünigbahn-Zahnraddampflok als auch die bekannte Elektrolok ruckelten bei Talfahrt trotz moderater Zuglänge von zwei 3-achsigen bzw. zwei 4-achsigen Personenwagen sehr unschön.

Auch verschiedene Versuche mit Änderung der Fahrgeschwindigkeit, Vermeidung von längeren graden Strecken oder verminderter Anhänge(Schiebe)Last haben nichts gebracht. Obwohl ich das Gefühl hatte, daß die Fuhre in Kurven (R2 - R5) ein kleines bißchen gleichmäßiger rollte.

Auch eine Reduzierung auf ca. 12-15% Gefälle brachte nichts, und darunter sieht es für mich nicht mehr wirklich nach Zahnradbahn aus.

Ein Getriebeumbau (Stirnradantrieb? Doppelte Schnecke?) ist mir zu heikel, besonders an der nicht ganz billigen Dampflok, die ich vorbildgerecht auch im Flachland nutze und mir ungern verderben würde. Ich habe leider auch keinen großen Fundus an Werkzeug, der bei einem so komplizierten Unterfangen nötig wäre.

Für mich bleiben also folgende Fragen offen:

1) Wäre eine digitale Motorsteuerung reaktionsschnell genug, um das Ruckeln durch klemmende Schnecken/Zahnradkombination bzw. das Hochdrehen des Motors durch das Gewicht der schiebenden Waggons zu verhindern oder auf ein nicht mehr sichtbares Maß zu reduzieren?

2) Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, Schnecke/Zahnrad so zu schmieren, daß der Klemmeffekt reduziert oder verhindert wird? Gibt es überhaupt ein so stark haftendes Fett, daß sich der Versuch lohnen würde?

3) Könnte ich vielleicht den Motor/Antrieb mit einer Art mechanischer Dauerbremse versehen, die das Hochdrehen verhindert, ohne ihn damit über die Maßen zu beanspruchen bzw. zu zerstören?

4) Würde eine Schwungmasse helfen, vielleicht sogar in einem Waggon installiert?

Ich meine mich erinnern zu können, im TV einmal eine FO-Lok mit 2 Waggons in ansehnlichem Gefälle ganz gleichmäßig talwärts Fahren gesehen zu haben. Wie haben die das bloß gemacht?

Ich hoffe, daß der Beitrag in die Rubrik "Allgemeines" gehört und ich nicht wichtige Threads zu diesem Thema übersehen habe. Ich hoffe wirklich, daß das Ganze nicht ein unlösbaren Physikproblem ist oder ich Getriebekonstrukteur werden muß.

Grüße aus Köln,
bootzilla
Roland Imhof - 22.12.08 22:59
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo bootzilla,

ich habe das gleiche Problem und suche auch nach einer einfachen Lösung.
Also mal meine Erfahrungen:
- Motoransteuerung kannst Du vergessen. Kann nur mechanisch gelöst werden.
- Lösung, die ich schon erfolgreich getestet habe:
Ein Wagen hat ein Bremszahnrad, welches immer leicht bremst.
D.h. die Lok zieht auch Talwärts und wird nicht vom Zug geschoben
- Schwungmasse auf Motorwelle
- Ersatz Schnecke/Zahnrad durch Zahnrad/Zahnrad-Kombination

Das mal auf die Schnelle meine Gedanken bis jetzt.

Gruß

Roland
StefanM - 22.12.08 23:15
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Roland,

Jaaa, das war genau, was ich hören wollte: eine (relativ) einfache Lösung.

Hast Du alle 3 Lösungsvorschläge auf einmal angwendet? Wenn ja, wie/wo hast Du eine Schwungmasse auf die Motorwelle bekommen bzw. für Lösung 3: hast Du den Motor um 90 Grad gedreht, damit Zahnrad in Zahnrad greifen kann? Fotos wären super, aber falls Du keine hast, reicht mir auch schon der Hinweis, daß es überhaupt funktioniert. Ich werde mir auf jeden Fall sofort einen bremsenden Waggon basteln, scheint mir am einfachsten; wenn's nicht reicht kommen Tip 2 und 3 zur Anwendung.

Danke!

Gruß
bootzilla
Roland Imhof - 22.12.08 23:38
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo bootzilla,

ausprobiert habe ich nur das mit dem Bremszahnrad. Das war eine Feierabendbastelei. Zahnrad (von Conrad oder Opitec) auf Achse lose. Eine Feder drückt von der Seite eine Unterlagsscheibe dagegen.
Die anderen Sachen sind weit aufwändiger. Dazu fehlt mir leider das nötige Werkzeug (Drehbank, etc.)

Gruss

Roland
StefanM - 22.12.08 23:49
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Roland,

so mache ich das auch! Alternativ werde ich vielleicht mit Unterlagscheibe und Filz (alte Bügeltischunterlage) experimentieren, wegen der Geräuschentwicklung.
Eine Conrad-Filiale haben wir auch in der Stadt, falls die Bastelkiste nichts hergibt.
Super Tipp, nochmal Danke!

Gruß
bootzilla
ottmar - 23.12.08 11:13
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Zahnradfreunde,

vielleicht darf ich Euch auf den Thread von meiner Wengernalpbahn hinweisen:

http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?t=4263&postdays=0&postorder=asc&highlight=wengernalpbahn&start=0

Dort stand ich vor dem gleichen Problem. Ich denke ich konnte es befriedigend lösen bis zu 25% Steigung...

Gruß Ottmar

PS: Köln ist doch gar nicht soo weit weg... Winke
Roland Imhof - 23.12.08 13:04
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Ottmar,

dann hasst Du einfach die Schnecke am Motor ersetzt? Eingängige gegen eine zweigängige? Woher hattest Du denn eine zweigängige passende?

Gruss

Roland
Manhart - 23.12.08 13:44
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo,

ich kenne das Problem von meiner Zahnradstrecke. Bergseitig sind 2 RhB-Aussichtswagen an die Brüniglok angekuppelt. Diese beiden Aussichtswagen haben Stromabnehmer auf jeder Achse (Kohlen) und sorgen so für einen ziemlichen Rollwiderstand. Die Brünig-Lok muss den Zug also talwärts ziehen. So ruckelt die Lok überhaupt nicht. Fährt sie alleine talwärts, dann ruckelt sie.



Somit musst Du in Deinem Zug einfach genügend Rollwiderstand einbauen. Dann ist das Problem gelöst.

Gruss

Matthias

http://www.beathis.ch
StefanM - 23.12.08 15:00
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Ottmar,

sieht ja schon toll aus auf dem Bild "He 2/2 Getriebe nah", aber einen neuen Rahmen bauen mit Blindwelle und Zahnriemen etc. traue ich mir nicht zu, besonders nicht für die Zahnraddampflok, könnte auch Platzprobleme geben.
Habe ich es richtig verstanden, daß die LGB-Schnecken bereits zweigängig sind und das Ruckeln durch die Abfederung durch den Zahnriemen beseitigt wird? Die Abbildung bei Deinem Eigenbaugetriebe und auch bei http://www.1zu160.net/test/glasmachers.php. sieht ja eigentlich wie eine LGB-Schnecke aus.

Ich könnte mir aber vorstellen, einen geschlossenen, direkt hinter (vor) den Loks einzustellenden Güterwagen umzubauen; ich denke da an den Einbau eines in die Zahnstange eingreifenden Zahnrads, das eine Schwungmasse antreibt. Oder Rolands o.g. Idee mit der Feder, die das Zahnrad abbremst. Die Frage ist dann nur, ob die so erzeugte Trägheit über die LGB-Kupplung auch an die Lok weitergegeben werden kann, oder ob ich irgendwie "fester" kuppeln müsste, vielleicht mit einer Klauenkupplung.

Ich bin eben (noch) auf der Suche nach einer Lösung, die einen massiven Eingriff in die Loks vermeidet. Wahrscheinlich muß mein Leidensdruck, keine ruckelfrei bergab laufende Zahnradbahn(en) zu haben, erst noch größer werden, ehe ich an die Loks gehe Winke

Ausser der Brünigbahn Dampflok mit 2 passenden 3Achsern (2 x Personenwaggon, 1 x Gepäckwaggon) habe ich eine rote FO mit 2 roten, alten 4achsigen Personenwagen; der vorne laufende hat Licht mit dem Lichtwechsel auf nur eine leuchtende Lampe bei Talfahrt ("Steueragen"). Ausserdem noch einen letztens ersteigerten, nur digital fahrenden Zahnrad-Triebwagen, an den ich wegen der starken Auslenkung in Kurven keinen Waggon anhängen kann (2Achser). Damit Ihr auch etwas zum Gucken habt, hier ein paar Bildchen. Die super gealterte kleine Mack-Diesellok könnte einem von Euch eventuell bekannt sein... Grins.

Grüße
bootzilla
Mack_kl (bootzilla)

weathered Mack made bei a certain wellknown model-railroader

Steuerwagen_kl (bootzilla)

Zahnradbahn "Steuerwagen"

Zahnrad-TW_kl (bootzilla)

Fremdeigenbau Zahnradbahn Elektrotriebwagen

Zahnrad_Triebwagen_Unterseite_kl (bootzilla)

StefanM - 23.12.08 15:22
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Matthias,

Danke für den Tipp mit den "schwergängigen" Waggons, ich werde es auch erst einmal mit einfachen Mitteln versuchen, die Lok zum Ziehen zu zwingen. Auf Deinem Foto sieht die Strecke allerdings auch nicht besonders steil aus. Wie hoch ist denn ungefähr das maximales Gefälle?
Da ich meine Zahnradstrecke vor ca. 1 Jahr abgebaut habe, werde ich mir eine schiefe Ebene zum Testen anlegen und Euch dann berichten.

Grüße
bootzilla
Roland Imhof - 23.12.08 17:10
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo bootzilla,

denke daran, die Schwungmasse im angehängten Wagen, wenn sie mal dreht, treibt den Wagen an und schiebt die Lok. Das ist dann eher kontraproduktiv.

Also entweder Wagen oder Lok bremsen oder Schwungmasse an Lokmotor, um diese zu "beschleunigen".

@Matthias: Einfacher gehts nicht. Die Idee mit den Stromschleifern ist ja noch einfacher.

Gruss

Roland
ottmar - 23.12.08 18:10
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
..also nicht das Mißverständnisse aufkommen: Der Zahnriemen dient nur als Sicherheits-Rutschkupplung, um bei ungewollten Prellbock-Fahrten den Antrieb nicht zu beschädigen und einer höheren Untersetzung (1:36). Die Vmax liegt etwa bei der Hälfte einer LGB Lok. Einzig und allein für ruckelfreie Fahrten ist die zweigängige Schnecke verantwortlich. Prinzipbedingt ruckelt jede LGB-Zahnradlok! Vielleicht hilft ein Blick auf meine meterspurige Brüniglok letzte Ängste zu vertreiben:

http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?t=5767&postdays=0&postorder=asc&highlight=hgm&start=0

oder

die BOB HGe

http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?t=4919&postdays=0&postorder=asc&highlight=hge&start=20

(etwas nach unten scrollen)

Also vielleicht kann mal ein Blick ins Getriebe nicht schaden... Zumal der Antrieb der LGB Loks recht leicht zu ändern ist

Gruß Ottmar
Manhart - 23.12.08 18:10
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo bootzilla,

die Aufnahme zeigt den flacheren Teil des Zahnstangenabschnittes. Mein Streckenabschnitt geht bis ca. 18%.

Gruss

Matthias

http://www.beathis.ch
StefanM - 23.12.08 19:25
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo,

1) klar, Schwungmasse war 'ne blöde Idee, Bremse ist besser.

2) Ich habe mir das Getriebe von Ottmar angesehen (erstes Bild) und habe die Abdeckplatte der Brüniglok mal abgeschraubt, aber auch nach Anheben des Radsatzes kann ich die Motorschnecke noch nicht sehen. Da muß ich wohl doch etwas mehr schrauben, aber heute habe ich leider keine Zeit mehr, kann daher auch keine Schoema mehr öffnen, um mir eine LGB-Schnecke anzusehen.

Ich glaube mich aber erinnern zu können, dass die LGB Schnecke etwas dicker daherkommt, wahrscheinlich ist es eben eine eingängige und Ottmars ist zweigängig.

Würde mich interessieren, wo ich eine zweigängige bekommen kann (ich suche mal im Netz) und wie ich die alte von der Motorwelle bekomme ohne den Motor zu demolieren und wie ich die neue auf die Motorwelle bekomme.

Aber jetzt muß ich los, es weihnachtet halt sehr...

Frohes Fest!

Gruß
bootzilla



081223_Bild_zweig_ngige_schnecke (bootzilla)



Br_nig_getriebe_1_kl (bootzilla)



br_nig_getriebe_2_kl (bootzilla)

Schmiermaxe - 24.12.08 10:36
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Moin,

zu diesem Thema wurde ja schon viel gesagt. Man gestatte mir zu diesem Thema ebenfalls meinen „Senf“ beizutragen.
Das Dilemma mit dem Ruckeln ist in der Technik wohl bekannt. In "Neu-Deutsch" als stick-slip bekannt, beruht dieser Effekt auf der Eigentümlichkeit der Geschwindigkeitsabhängigkeit des Reibkoeffizienten. Konstrukteure kennen diesen Sachverhalt aus dem s.g. Stribeck-Diagramm: bei kleiner Relativgeschwindigkeit zwischen den Gleitpartnern ist der Reibwert relativ hoch, fällt dann bei steigender Relativgeschwindigkeit bis zu seinem Minimum, um dann wieder sacht anzusteigen. Da das Getriebe mit der Lok ein klassisches Feder-Masse-System (in erster Näherung, da es durch den „Anhang“ ein Mehrmassensystem ist) darstellt, führt das zu dem beschriebenen Effekt.
Die zwangsläufig in einem Getriebe vorhandenen Umkehrspiele inklusive sämtlicher Elastizitäten verstärken diesen Effekt zusätzlich und führen dann zu dem reklamierten Effekt der nicht gerade vorbildgetreuen Talfahrt der Lok.
Die Frage ist nun: was kann man zur Minderung tun.
Akzeptiert man das willensunabhängige Wirken der Naturgesetze ergeben sich einiger mehr oder weniger wirksame als auch umsetzbare Maßnahmen zur Verbesserung.
Ein Ansatzpunkt wäre das Getriebe. Da es sich aber auch um ein Feder-Masse-System (in erster Näherung) mit Umkehrspielen handelt, ergeben sich weitere Ansatzpunkte: Beeinflussung der Feder, der Masse und des Spiels.
Nimmt man sich das Getriebe vor, dann wären da einige Dinge möglich.
1. Beeinflussung des Reibkoeffizienten
Das geht nur bis zu einem gewissen Punkt, da wir im Schneckentrieb der bewußten Stelle immer (bezogen auf „unsere“ Loks) im Mischreibungsgebiet bleiben werden und nie den Bereich der Hydrodynamik erreichen werden. Diese Grenze muß man einfach als gesetzt akzeptieren. D.h. mit Schmiermitteln kann man nur bis zu einem gewissen Punkt Linderung erreichen. Geeignet wären Schmiermittel, deren Schmierstoffilm bei hoher Pressung nicht kollabiert - also Schmiermittel mit EP-Zusätzen (wie z.B. MoS, Graphit).
An der Materialpaarung ließe sich auch noch etwas drehen – also Abstimmung der Werkstoffe von Schnecke und Schneckenrad auf eine Paarung mit geringer Reibung. Die Paarung Ms mit PA ist schon nicht schlecht. Dumm ist nur, daß die Festigkeit des PA dem übertragbaren Moment gewisse Grenzen setzt. Man darf nicht vergessen, daß bei den LGB-Getrieben keine Schneckenräder zum Einsatz kommen, sondern der Einfachheit halber (wegen der Fertigung im Spritzgußwerkzeug ohne Hinterschnitte) statt des Schneckenrades einfach schrägverzahnte Stirnräder verwendet werden. Das hat in der Praxis einen Vorteil und einen Nachteil. Vorteilig ist die nicht erforderliche axiale Einstellung der Schneckenradwelle und nachteilig ist das geringere übertragbare Moment.
2. Abschaffung der Selbsthemmung
Wie schon richtig erkannt, bringt die Abkehr von der eingängigen Schnecke eine wesentliche Verbesserung. Ob 2- oder 3-gängig hängt vom erreichbaren Steigungswinkel (der wiederum eine Funktion des Schneckendurchmessers ist) ab. Überschläglich kann man sagen, daß ein Steigungswinkel von größer 5,7° erreicht werden sollte. Ändert man die Schnecke, muß entsprechend das „Schneckenrad“ angepaßt werden – also Steigungswinkel der Schnecke ausrechnen und Rad mit entsprechendem Schrägungswinkel einsetzen.
3. Einsatz einer Schwungmasse
Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz einer Schwungmasse. Da wäre die Frage zu beantworten, wie groß das Schwungrad sein sollte und wo die Schwungmasse anzubringen ist. Das Schwungrad kann gar nicht groß genug sein. Als Grundsatz gilt, immer den größtmöglichen Durchmesser verwenden (der Durchmesser geht quadratisch, die Breite nur linear ein) Wenn man eine Schwungmasse (zur Verbesserung) einsetzen will, dann gehört die zwingend auf die Motorwelle. Geht das nicht, muß sie separat gelagert, dafür aber torsionssteif an die Motorwelle gekoppelt werden. Läßt sich das nicht machen, kann man die Sache mit der Schwungmasse „vergessen“.
4. Beseitigung der Umkehrspiele im Getriebe
Dieser Weg ist nach der Abschaffung der Selbsthemmung der effektivste. Hier wäre die axiale Festlegung der Motorwelle der erste Schritt, Wenn man sich die LGB-Getriebeblöcke ansieht, wird man feststellen, daß das teilweise schon in Angriff genommen ist. Die Anschläge müßten so modifiziert werden, daß die Motorwelle nahezu ohne Axialspiel gelagert wird. Will man noch mehr machen, kommt das faktisch einem Neubaugetriebe gleich. Denn es müßten:
alle Gleitlagerungen durch Wälzlagerungen ersetzt,
alle Achsabstände der Räder oder die Stirnräder durch Profilverschiebung auf minimales Flankenspiel eingestellt werden.
Als relativ „unblutige“ Maßnahme könnte man durch externe Maßnahmen ein Flankenwechsel im Getriebe vermeiden. Der Weg wurde schon als gangbar beschrieben: Einsatz von Bremswagen. Damit das Verfahren möglichst effektiv wird, müßte das Ende des Zuges so gebremst werden, daß alle Kupplungen nur noch auf Zug beansprucht werden (die Lok als wieder „am Haken hängt“).
5. Verbesserung der Getriebesteife
Dieser Punkt korrespondiert stark mit dem vorhergehenden. Zusätzlich müßte man:
sauber gefertigte Zahnräder (mit vollständig tragenden Flanken) verwenden und alle Zahnräder auf festere Werkstoffe umstellen (vorzugsweise Metall).
6. Einsatz der Elektronik
Bevor man versucht an diese Stellschraube zu drehen, sollte man daran denken, daß man nur regeln kann, wenn es etwas zu regeln gibt. Keine Regelung kann grundsätzliche Defizite beseitigen. Um es deutlich zu sagen: ohne Beseitigung der Umkehrspiele im Lokgetriebe und Erhöhung der Getriebesteife wird eine elektronische Regelung zu keiner signifikanten Besserung führen. Mit anderen Worten: eine solide Mechanik ist durch nichts zu ersetzen.

Viel Erfolg
wünscht Schmiermaxe
StefanM - 24.12.08 18:42
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo,

ich glaube, ausführlicher geht's kaum! Danke für den Überblick über die anwendbaren Möglichkeiten. Da ich vor Getriebeumbau/Neubau zurückschrecke, werde ich erst einmal eine Teststrecke mit verschiedenen Kurvenradien aufbauen und mit dem Gefälle experimentieren. Da nur 3 verschiedene Züge zum Einsatz kommen sollen, werde ich einen akzeptablen Ruckel-Mittelwert mit gebremsten wagen ausprobieren. Ich freue mich jedenfalls, so fundierte Antworten erhalten zu haben und ärgere mich, meine Zahnradstrecke, die mit viel Aufwand vom Boden bis ca. auf eine Höhe von 1,50 Meter in ein Regal lief, mit selbstgebastelten Brücken- bzw. Gestellkonstruktionen und einer Zahnradweiche, Pendelzugsteuerung und Zugwechsel, abgebaut zu haben. Ich dachte, dass es an meiner Konstruktion oder dem Gefälle lag.

Nochmals Danke an alle beteiligten, wenn die neue Strecke steht, werde ich natürlich über den Erfolg oder Mißerfolg berichten (nicht immer nur nehmen, auch geben hält ja ein Forum in Schwung.

Deshalb werde ich in den nächsten Tagen auch ein paar Rollmaterial-Umbau-Bilder einstellen, die aber leider mit den professionellen im Forum veröffentlichten in keinster Weise mithalten können. Vielleicht als Anregung für andere Küchentischbastler.

Wie steht Ihr zur Vorstellung von Fremd-Eigenbauten? Nur fürs Auge, oder um zu zeigen, was es so alles gibt?

In diesem Sinne
Guten Rutsch nach 2009

& allzeit Lichtraumfreie Fahrt

bootzilla
GBMEGGTAL - 30.12.08 23:49
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo zusammen

Sicher für euch Spezialisten eine dämmliche Frage, aber was ist eine 2 oder 3 gängige Schnecke?

Meine Bachmann Lok ruckelt auch auf der 5% Rampe. Nun ist klar wieso. naja


Nur die LGB Antriebe laufen schön hinunter.

Gruss Sigi
Thomas Engel - 31.12.08 17:44
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
GBMEGGTAL hat folgendes geschrieben::
Hallo zusammen

Sicher für euch Spezialisten eine dämmliche Frage, aber was ist eine 2 oder 3 gängige Schnecke?

Meine Bachmann Lok ruckelt auch auf der 5% Rampe. Nun ist klar wieso.
Nur die LGB Antriebe laufen schön hinunter.

Gruss Sigi


Winke Hallo Sigi,

schau mal hier: http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?p=263427, da kannst Du den Typ Faulhaber-Antrieb sehen, den Ottmar verbaut hat.

Die dort (und bei LGB) verwendeten Antriebsschnecken haben eine Steigung von 2, d.h. bei einer Umdrehung werden 2 Gewindegänge überwunden - bei einer dreigängigen Schnecke geht es dementsprechend 3 Zacken weiter. Man braucht zu dem jeweiligen Schneckentyp das passende Gegenzahnrad, die Schräge des Gegenzahnrades wird entsprechend größer.

Leider kann man nicht "mal eben" und "für kleines Geld" ein paar spezielle Zahnräder und Schnecken anfertigen. So haben wir bis jetzt noch nicht genügend Interessenten gehabt, für die LGB Zahnradloks entsprechende Schnecken anzufertigen, um auch da Glockenankermotoren mit Schwungmasse verbauen zu können. (Siehe http://www.buntbahn.de/modellbau/viewtopic.php?p=263773) Ein Buntbahner hat auf diese Weide seiner LGB-Zahnrad-E-Lok das Ruckeln abgewöhnt. Kleiner Tipp: Falls Ihr die Schnecke von älteren LGB-Zahnradlok-Motoren weiterverwenden wollt, achtet darauf, ob sie aus Stahl sind. Vorsicht: Diese Schnecken sind angeschweißt und können NICHT "mal eben" abgezogen und wiederverwendet werden!

Viele Grüße

Brennender Teufel Thomas
Roland Imhof - 01.01.09 08:48
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Thomas,

erstmal wünsche ich auch Dir und allen anderen Buntbahnern ein gutes neues Jahr.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe- ich muss mir die Schnecke mal richtig anschauen- haben die LGB Loks schon eine 2-gängige Schnecke.

So einfach ist dann der Umbau, auch wenn man passende Schnecke/Zahnrad-Kombination findet, gar nicht. Wenn ich also zur Verbesserung von einer zweigängigen auf eine dreigängige Schnecke wechsle, dann fährt die Lok, da die Uebersetzung ändert, nachher also 50 % schneller. D.h. also, dass man das ganze Getriebe anpassen muss, wenn man die Geschwindigkeit beibehalten will.
Dann muss man das ganze ja sowieso von einer anderen Seite angehen.

Weisst Du die Leistungswerte der LGB Motoren? Drehzahl und Leistung in Watt?

Danke.

Gruss

Roland
ottmar - 01.01.09 11:59
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
..nochmal ein frohes neues und erfolgreiches neues Jahr!

Als grobe Richtschnur einige Messwerte von LGB (Bühler) Motore:

Drehzahl: ca. 350 bis 400 min-1 pro Volt

Watt Dauer geschätzt 5 Watt, kurzzeitig 30 Watt (kleiner 15 min) -Problem ist relativ schlechte Kühlung im Ks-Block, freimontiert werden es ca. 30 Watt sein. Ein Glocki mit seinem höheren Wirkungsgrad hat dort keine Probleme.

Gruß Ottmar
Roland Imhof - 01.01.09 15:18
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Ottmar,

danke für die Werte. Dann haben also Zahnradlok- und Adhäsionslokmotor ungeführ die gleiche Drehzahl und unterscheiden sich dann nur im nachgelagerten Getriebe, welches bei den Zahnradloks um ein Zahnrad erweiteret ist?

Gruss

Roland
GBMEGGTAL - 01.01.09 16:13
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Thomas hallo

Besten Dank für die Erklärung. Demzufolge, wie ich es verstanden gruebel habe, je kleiner das Modul, desto ruhiger laufen die Loks den Berg hinunter. Oder?

Ich wünsche allen ein erfolgreiches neues Jahr.
Gruss Sigi
ottmar - 01.01.09 18:59
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Hallo Roland,

das weitere Zahnrad dient nur als "Abstandshalter" und übersetzt die Drehzahl des Motors etwas.

Gruss Ottmar
Terrassenbahner a.D. - 21.04.09 22:19
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
Schönen Saisonstart nochmal, allerseits!

Obwohl dieses Thema nun schon eine Weile ruht, habe ich doch eine recht simple dumme Idee: Meine gute alte HG2/2 hat nämlich auch ganz (un-)schön geruckelt auf meiner 25%-Steigung. Seltsamerweise meine brandneue Vitrinen-Steh-Sammlungs-HG3/3 aus der EBucht aber nicht (bei gleicher Anhängelast).

Das hat mich stutzig gemacht, und so habe ich die alte Dame (die HG2/2) mal auseinandergebaut. Nach gut 20 (!!!) Jahren Betriebseinsatz ohne Service (ich geb's ja zu Verlegen!!) waren die Laufflächen der Zahnräder und der Schnecke natürlich klinisch fettfrei. Provisorisch habe ich also einfach das zur Seite gespritzte Fett buchstäblich zusammengekratzt und damit neu geschmiert, vor allem die Schnecke. Und siehe da, es hat sich ausgeruckelt.

Auch wenn es den Puristen unter uns, die so perfekt bauen wollen (und tun!), dass es auch gänzlich ohne Fett geht, jetzt sämtliche Nackenhaare aufstellen wird: Mein Rat ist, Fett ran! Und zwar ein eher zähes, das in der Lage ist, das natürliche Ruckeln beim Über-Springen von so vielen Zähnen auf andere Zähne mit so viel Toleranz einigermaßen auszufedern. Und das Nürnberger Zahradgetriebe hat ohne Fett etwa eine Zehntel Radumdrehung Spiel.

Dazu gleich die nächste Frage: Allzu viel von dem Alt-Fett habe ich nicht mehr finden können. Weiss jemand, was für ein Fett urspünglich zum Einsatz kam, oder was ein guter Ersatz wäre? Normales Schmierfett (und wohl auch das normale Nürnberger, nun Göppinger, Getriebefett) erscheint mir als nicht zäh genug.

Ruckelfreie Grüsse
vom Georg
Entenbahner - 29.10.09 18:54
Titel: Re: Zahnradloks ruckeln bei Talfahrt. Lösung ohne Getriebeum
hallihallo

ich frag mich ob man die Bremse nicht "elektrisch" hinkriegen könnte, kleiner Fahrraddynamo 3 W oder ein kleinst-E Motor, laufen als Stromerzeuger, der erzeugte Strom wird an einem Konstantandraht "verbraten" - ist doch viel langlebiger als Schwungrad mit Bremsfeder, die Zuleitung zum Bremswiderstand könnte ja per Schleifer erst dann geschaltet werden wenn die Lok das Zahnstangenstück befährt, habe aber mit Zahnradloks an sich keine Erfahrung. Also vergesst meine Worte einfach wenns unsinn ist.

dieses "zähe Fett" wird doch nicht Kanonenfett gewesen sein ? Sehr glücklich Das ist nämlich mit zunehmendem Alter härter, unglaublich zäh und ruiniert durch Verkleisterung jeden Kiew-Verschluss

lg

Druckversion von buntbahn.de - - Modellbahn-Forum für maßstäblichen Selbstbau