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Dampf & Diesel - Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe


sleepyHarm - 22.10.20 11:34
Titel: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Bahner,
ich heiße Harm, bin erstmalig in Eurem Forum und bitte um Eure Hilfe. Seit einigen Wochen besitze ich eine gebrauchte Echtdampflok (Regner 995603). Bislang betreibe ich lediglich eine einfache el. Märklin HO zur Freude mit unseren Enkeln und um sie für Technik zu begeistern. Jetzt packt mich der Ehrgeiz, die „zugelaufene“ Dampflok zum Laufen zu bewegen…

Eine halbwegs vollständige Bau- und Betriebsanleitung habe ich. Der Vorzustand der Lok ist jedoch unbekannt. Da die Räder blockierten, habe ich diese nach Anleitung eingestellt, ebenso die Kurbel. Auch nach 2 Durchläufen existieren noch folgenden Probleme.

1.) Das treibradseitige Auge der Kurbelstange (rechte Seite in Fahrtrichtung) war „ausgebuchst“ (Wandstärke der Hülse ca 0,5 mm). Nach wie vor blockiert das Rad bei Bewegung in beide Richtungen (Stellung siehe Fotos 2RV und 2LV). Nur wenn ich diese Buchse entferne läßt sich Lok in beide Richtungen schieben. Allerdings entsteht dadurch eine spürbare „Lose“. Kann es sein, daß die Kurbelstange zu lang ist, sodaß der Kolben am Zylinderdeckel anschlägt? Die linksseitige Umsteuerschwinge stößt noch nicht am Rahmen an.
2.) Eine weitere Stelle läuft etwas schwergängig (Stellung siehe Fotos 1RV und 1 LV).
3.) Setze ich die Lok unter Dampf, fährt sie nicht an. Beim Schieben läuft die linksseitige Umsteuerschwinge gegen den Rahmen und blockiert dadurch die Räder.

Ein oder mehrere Dinge sind offenbar noch grundsätzlich falsch. Es würde mich sehr freuen, wenn jemand helfen könnte, meine Einstellfehler oder „Denkrillen“ bzw Gerätedefizite zu beseitigen. Danke!

Beste Grüße
Harm




Regner_995603_1LV (sleepyHarm)



Regner_995603_1RV (sleepyHarm)



Regner_995603_2LV (sleepyHarm)



Regner_995603_2RV (sleepyHarm)

stth - 22.10.20 12:06
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

ich denke, dass die Räder nicht korrekt auf die Achsen montiert sind. Der Versatz der Kuppelzapfen (soll == 90°) wird unterschiedlich sein.

Um das zu korrigieren, prüfe, ob eine Achse exakt ausgerichtet ist. Die Kurbel auf der rechten Seite sollte bei Vorwärtsfahrt voreilen. Für die Arbeiten Lok auf die Seite legen, dabei auf Anbauteile und weiche Unterlage achten.

Wenn keine Achse 90 ° versetzt ist, löse die Madenschraube an beiden Achsen auf der selben Lokseite und stelle eine Achse korrekt ein und ziehe sie fest. Vorher die Spureinstellung prüfen!

Wenn doch, nur eine Schraube an der schlechten Achse lösen.

Dann die zweite Achse ausrichten und die Schraube ganz sanft anlegen. Achsen vorsichtig durchdrehen. Falls der Kolben Widerstand bietet, die Treibstangen demontieren, um mehr Gefühl zu haben. Kuppelstangen bleiben natürlich dran Winke.

Jetzt in kleinen Schritten die Räder drehen und in jeder Stellung vorsichtig gegeneinander verdrehen ohne die Arretierung zu lösen. Das Spiel soll in allen Stellungen gleich groß sein. Wenn nein, neu einstellen, wenn ja, festziehen und nochmals Spur und Spiel der Kuppelstangen ringsrum prüfen.

Tipp: www.schienendampf.com ist besser spezialisiert.

Viem Erfolg!
Stefan
Flachschieber - 22.10.20 12:52
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo,

beide Gegenkurbeln sollten die richtige Position haben. So wie ich es sehe läuft eine Seite vorwärts die andere Seite rückwärts. Somit geht nichts Verlegen Lachend .
Beide Gegenkurbeln vom Zylinder aus gesehen, in Stellung Treibstange auf 6 Uhr,nach hinten versetzt montieren dann sollte es gehen.

Wenn die Zylinder gegeneinander arbeiten kanns nur klemmen.
Die Gegenkurbeln nur so weit nach hinten kippen das in den Totpunkten am Schieber kein Hub entsteht. Also beim Umsteuern der Schwinge von Vorwärts auf Rückwärts. Dann schlägt auch nichts am Rahmen an. Zum Schluss evt noch die Schieber nachstellen. Dann sollte die Gute wieder laufen.

LG

Marco
sleepyHarm - 23.10.20 09:19
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Ganz herzlichen Dank, Stefan und Marco, für Eure Hinweise!!
Mit diesem Wissen werde ich nochmals mit den Achsen/Rädern beginnen und dann Schritt für Schritt Kuppel- und Treibstangen aufsetzen und immer wieder probieren, ob es irgendwo klemmt. Bisher habe ich das in einem Rutsch zusammengebaut und erst am Ende festgestellt, daß es nicht läuft.
Danke nochmals und beste Grüße

Harm
volkerS - 23.10.20 09:49
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,
das meiste haben ja die Kollegen schon gesagt. Wenn du kein Werkzeug zum Quadrieren der Räder hast (90° Einstellen der Radsätze), dann kontrolliere, ob die beiden Kuppelstangen exakt gleichen Bohrlochabstand haben. Danach annähernd einen Radsatz auf 90° einstellen. In Fahrtrichtung links ist nachlaufend, also rechte Seite Treibzapfen auf 6 Uhr und linke Seite auf 9 Uhr. Eine Abweichung von +/- 1 - 2 ° zu den 90° ist bedeutungslos, entscheidend ist die absolute Gleichheit der Radsätze. Jetzt beidseitig Kuppelstange auflegen und zweiten Radsatz identisch einstellen. Danach sollte sich die Lok sogar auf dem Arbeitstisch schieben lassen und die Räder klemmfrei drehen. Setzt natürlich Leichtgängigkeit der Achslager voraus. Danach Treibstangen von Hand auf der Gleitbahn an beide Anschläge schieben und diese Positionen mit Farbstift markieren. Legst du danach die Treibstangen auf den Kurbelzapfen muss der Kreuzkopf identisch vor beiden Markierungen in den Totpunkten stehen. Wenn nein dann ist der Kolben nicht exakt mittig eingebaut. Lässt sich durch Verdrehen der Kolbenstange im Kreuzkopf korrigieren. Danach die Gegenkurbeln einstellen. Korrektes Einstellen geht meist nur nach Abnahme des Schieberkastendeckels.
Viel Erfolg
Volker
stth - 23.10.20 12:07
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

Hinweis zu der von Vollker beschriebenen Endpunktsuche: mit den Kolben keine Kraft verwenden, falls die Kolben Teflonhütchen sind. Ich habe bei meinen Teflonkolben im Zylinder eine Hülse auf die Kolbenstange aufgefäldelt, die 0,5 mm vor den Dichtlippen am hinteren Zylinderdeckel anstößt. Auf der VorderseiteSeite übernimmt diese Funktion die Mutter. Auch lohnt es, direkt hinter dem Gewinde der Kolbenstange, das in den Kreuzkopf geschraubt wird, einen kleinen Vierkant max1,5mm reinzufeilen. Mit diesem kann man mit einem sehr flachen SW2,5 Schlüssel (z.b. von Fohrmann) den Kolben abschrauben und durch den abgebauten vorderen Zylinderdeckel entnehmen. Gegen den dort wichtigen Schraubensicherungslack hat man sonst kaum Chancen.

zum Thema Gegenkurbeln einstellen:

Ziel ist es auf beiden Seiten die Gegenkurbeln so einzustellen, dass im Vorderen und im hinteren Kolbentotpunkt umgesteuert werden kann, ohne dass sich der Schieber bewegt. Sollten die Maße von Gegenkurbel und Schwingenstange nicht 100% passen kann man da noch pfuschen und die Fehler versuchen gleichmäßig zu verteilen. Bei einem Bausatz sollte sich jedoch nach dieser wahrscheinlich funktionierenden Einstellung der in der Anleitung angegebene maximale Schieberhub ergeben (meist 4 bis 6 mm, je nach Hersteller und Modell).

Erst wenn das passt, fängt man mit der Einstellung des Schiebers an.

Viele Erfolg, Stefan
sleepyHarm - 05.11.20 22:08
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo zusammen,
auch Dir Volker nochmals besten Dank!

Nach Eurer Hilfestellung habe ich erstmal versucht, etwas „Bahn_Vokabular“ (wie Kurbelrad, Treibrad, Gegenkurbel usw) zu lernen. Dann habe ich Kurbel…, Treibstangen und Kuppelstangen demontiert und die Räder nach Eurer Methode eingestellt. Mit eingesetzten Kuppelstangen läßt sich die Lok jetzt leicht in beide Richtungen schieben, im Ergebnis besser als zuvor. Das Lagerspiel ist relativ gering und gleichmäßig über 360°. Die Augen der Kuppelstangen haben den gleichen Abstand (Stangen lassen sich mit zwei 3mm Bohrer übereinander zusammenstecken). Dann habe ich die Treibstangen montiert. Die Lok läßt sich eigentlich ganz leicht schieben, wird allerdings durch den rechten Kolben blockiert. Die Kolbenstange muß eigentlich noch ca 4 mm weiter in den Zylinder. Kreuzkopfseitig ist die Stange ganz eingedreht (kein Gewinde sichtbar). Löst man die Treibstange vom Kreuzkopf und schiebt die Kolbenstange in den Zylinder, fährt man an der „Blockadestelle“ gegen einen harten Widerstand. Eigentlich ist alles ganz leichtgängig. Auch die Bettbahn ist nicht beschädigt. Auf beiden Seiten befinden sich in dieser Position die Räder nicht in Totpunkten. Die linke Kolbenstange beginnt gerade mit dem Herausfahren.
Über die Vergangenheit der Lok hab ich keine Info. So wie sie aussieht, muß sie schon in Betrieb gewesen/gefahren sein. Ich zögere noch etwas mit dem Zerlegen des Kolbens, weil ich keine Vorstellung habe, was da im Kolben passiert sein kann. Die Kolbenstange kann ich nur einmal einkürzen… Auch habe ich reichlich Bammel, ob ich danach alles wieder dampfseitig dicht bekomme. Deshalb bitte ich nochmals um Euren Rat zu möglichen Ursachen und weiterer Vorgehensweise.

Danke und Grüße
Harm
Flachschieber - 05.11.20 22:21
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

nach Deinen Schilderungen wirst Du nicht um hin kommen den vorderen Zylinderdeckel abzuschrauben und die Kolben auszubauen. Ich vermute das sich der klemmende Kolben von der Kolbenstange gelöst hat. Die waren früher mal weich verlötet. Hatte das bei meiner ersten Lok mit Regner Zylindern auch ein Mal. Habe den Kolben wieder aufgelötet. Alternativ kannst auch neue von Fa.Regner einbauen. Dichtung bekommst in der Regel wieder dicht wenn diese beim Abbau nicht reisst. Ansonsten bekommst Du bei Fa.Regner die Ersatzdichtungen für kleines Geld.

Beste Grüße,

Marco
volkerS - 06.11.20 16:06
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,
wenn die Kolbenstange wirklich ca. 4mm vor dem vorderen Totpunkt klemmt gibt es eigentlich nur 2 Möglichkeiten. 1. Die Kolbenstange hat sich vom Kolben gelöst und stößt gegen den Kolben (trifft dabei nicht die Bohrung) oder die Mutter hat sich gelöst, der Kolben wird zwar noch bewegt erreicht aber durch die Mutter nicht den vorderen Totpunkt. Hier bleibt nur Abnehmen des vorderen Zylinderdeckels. Auf keinen Fall kürze die Kolbenstange. Wahrscheinlich geht dir die Dichtung kaputt. Entweder von Regner oder selbst anfertigen (geöltes Schreibmaschinenpapier reicht schon), wenn die Dichtfläche am Zylinder und Zylinderdeckel absolut plan sind. Nach Abnehmen des Deckels solltest du das Problem sehen. Ist es nur die Mutter, auf keinen Fall den Kolben herausfahren, wenn die Dichtlippe (bei Teflonkolben)unbeschädigt ist (dann benötigst du sowieso einen neuen Kolben). Das Einfädeln der Rückseite des Teflon-Hütchen-Kolbens ist eine sehr heikle Angelegenheit. Eigentlich benötigt man dafür einen Montagetrichter der am Ende (zum Kolben) im Durchmesser etwa 0,5mm kleiner als die Zylinderbohrung ist. Manche Leute schaffen dies auch mit einem Papierring.
Volker
Flachschieber - 06.11.20 18:58
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Volker,

die Lok wird noch die alten auch sehr gut funtionierenden Kolben mit gewickelter Teflon Dichtpackung haben. Von daher sollte es keine Probleme bei der Demontage geben.

@Harm:Bei der Gelegenheit gleich neue Dichtungspackungen in Stopfbüchse und Kolben zwirbeln und Einstopfen. Das hält dann wieder ne halbe Ewigkeit.
Die Anleitung dazu sollte auf der Regner Website zu finden sein.


EDIT: Gerade sehe ich die Farbe der Rauchkammer. Da hat mal ein Feuer recht heftig und lang drin gebrannt. Da wird es Dir die Kolbenstange ausgelötet haben da diese nur weich eingelötet ist.

Beste Grüße,

Marco
sleepyHarm - 06.11.20 20:03
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Danke ihr Beiden, Volltreffer!!
Der Messingkolben hat sich ausgelötet. In den Kolben ist offenbar Teflonband eingelegt. Die Dichtung des Kopfdeckels ist nicht gebbrochen/zerstört. Die Kolbenstange ließ sich mit etwas Zug nach hinten herausziehen. Habe das Gefühl, daß die Kolbenstangenpackung relativ dicht ist.

Ich würde gern das Bestehende wieder zusammenbauen, um zunächst zu schauen, ob die Lok grundsätzlich läuft oder noch weitere Probleme bestehen.
Dann kann ich es immer noch wieder aufmachen, um die Leistung zu verbessern.
Kann ich beim Weichlöten die Teflonpackung im Kolben belassen?

Nochmals Dank für Eure Unterstützung! Mittlerweile macht es schon Spaß, die Zusammenhänge zu verstehen und zu schrauben... Nur mit den altgewordenen Fingern und Augen geht´s ganz schön langsam.

Beste Grüße
Harm
Z13 - 06.11.20 23:28
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

ohne meinen Vorrednern ins Handwerk zu pfuschen kann ich Dir jetzt schon sagen dass der Kolben eine neue Teflonwicklung braucht, die alte ist ja mitverbrannt beim auslöten.
Das Teflonband gibts auch im Baumarkt beim Installationsbedarf, oder beim Klempner Deines Vertrauens.

Weiterhin viel Spass beim "Renovieren" Sehr glücklich

Viele Grüße
Manfred
sleepyHarm - 07.11.20 09:50
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hi Marco und Volker,
Volltreffer! Der Kolben ist ausgelötet. Der "Kolbenring" ist als Teflonbandeinlage ausgeführt. Die kopfseitige Dichtung sieht noch gut aus (vor Demontage den Kolben mit Fön angewärmt). Zylinder und Kolben incl Stange machen einen noch ganz brauchbaren Eindruck.

Als Laie möchte ich eigentlich das Vorhandene wieder zusammenbauen, um zunächst zu sehen, ob die Lok überhaupt zum Laufen kommt. Falls es dann an Leistung fehlt, kann ich mich in einer weiteren Runde um die Kolben kümmern.
Mittlerweile macht es mir schon Freude, diese Dinge zu zerlegen und wieder zusammenzubringen, auch wenn es mit meinen gealterten Fingern und Augen länger dauert als erwartet... Und ich lerne wieder etwas hinzu über Mechanik.

Habe gesehen, daß es Teflonkolben als Ersatz gibt, aber auch gelesen, daß manche offenbar in dieser Situation vor Inbetriebnahme die Kolben mit einem Fön vorwärmen, um eine bessere Abdichtung zu erreichen.

Mir stellen sich zunächst folgende Fragen:
a.) eignet sich Lötzinn aus der Elektrotechnik (Schmelzpunkt ca 220°C.)?
b.) Gibt es Anleitungen zum Wiederherstellen des "Kolbenringes" aus Teflonband? Im Regner_Web bin ich noch nicht fündig geworden
c.) Kann ich vorhandenes Sanitärteflonband verwenden?
d.) Kann man auch problemlos mit Hartlot arbeiten?
e.) Muß ich zwingend die Packung im Zylinderdeckel erneuern? Die Kolbenstange rutscht "saugend".

Wäre sehr nett, wenn Ihr Eurer Wissen nochmal teilen könntet.
Für Eure bisherige Unterrstützung herzlichenDank!

Beste Grüße
Harm
sleepyHarm - 07.11.20 18:07
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Sorry für meinen 2-fachen Beitrag. Habe vorgestern leider nicht gesehen, daß es auf Seite 2 weitergeht. Ihr seht, daß mein Nickname schon seine Berechtigung hat ...

Die Fragen bleiben allerdings an Euch gerichtet.

Danke
Harm
stth - 07.11.20 21:09
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

a.) eignet sich Lötzinn aus der Elektrotechnik (Schmelzpunkt ca 220°C.)?

Bedingt. Aber etwas anderes wird es auch im Original nicht gewesen sein. Für eine schnelle Reparatur sollte es gehen. Trotzdem das alte Lot vorher möglichst rückstandsfrei entfernen. Für etwas dauerhaftes würde ich eine Schraubverbindung bevorzugen.

b.) Gibt es Anleitungen zum Wiederherstellen des "Kolbenringes" aus Teflonband? Im Regner_Web bin ich noch nicht fündig geworden

Die Taktik für Stopfbuchsen war Schnur aus dem Band zwirbeln und einlegen. Wenn ich mir deine Bilder so ansehe, wird es das auch so gewesen sein.

c.) Kann ich vorhandenes Sanitärteflonband verwenden?

Das ist genau das, was Regner verwendet / beilegt.

d.) Kann man auch problemlos mit Hartlot arbeiten?

Nur wenn da keine Weichlotreste in der nähe sind. Auf einer alten weichgelöteten Lötstelle: nein.

e.) Muß ich zwingend die Packung im Zylinderdeckel erneuern? Die Kolbenstange rutscht "saugend".

Wenn sie nicht dicht ist. Das lässt sich von außen bewerkstelligen. Also machen wenn nötig. Außer: Du kaufst neue Telflonkolben von Regner und baust die Lok nach der Wiener Methode auf ölfrei um. M.E. empfehlenswert, erfordert jedoch Maschinen und ist irreversibel.

Viele Grüße,
Stefan
Z13 - 07.11.20 22:56
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

nachfolgend zwei Seiten aus der Bauanleitung einer Regner Emma.
Hier ist das Kolbenwickeln mit Teflonband beschrieben.






Viel Erfolg und Grüße
Manfred

P.S. Ich würde die Stopfbuchsen auch neu machen, denn auch diese waren mit Sicherheit überhitzt.
sleepyHarm - 08.11.20 09:22
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Guten Tag zusammen,
Euch allen danke für Eure Unterstützung, ein wirklich tolles Forum!! Ohne Eure Hilfe hätte ich als "Modellbahn_Laie" das Teil schon wieder beiseite gelegt.
Ich mach mich mal ans "löten und verpacken".
Alles Gute
Harm
volkerS - 09.11.20 08:46
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,
das alte bleihaltige Elektroniklot hatte eine Solidustemperatur (Beginn des Flüssigwerdens) von 183°C. Wenn der Kolben sich abgelötet hat muss also eine weitaus höhere Temperatur an der Lötstelle vorgelegen haben.
Dies ist aber bei Nassdampfloks und den üblichen 3bar Kesseldruck eigentlich nicht möglich, hier sind ca. 135°C zu erwarten. 185°C sind bei >8bar.
Vermute eher eine kalte Lötstelle, die dann im Laufe der Zeit zu einem kompletten Bruch führte.
Du kannst auch mit den neuen Elektronikloten die Verbindung Instandsetzen. Da diese aber kein Blei mehr enthalten ist die Löttemperatur mindestens 40°C höher und die Lötstelle sieht nach dem Löten sehr matt aus, so wie beim alten bleihaltigen Elektroniklot eine kalte Lötstelle.
Volker
sleepyHarm - 19.11.20 19:08
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Liebe Bahner,
da ich in Sachen Löten unsicher wurde, habe ich mir neue Teflonkolben von Regner besorgt (O-Ring Ausführung). Einer sitzt jetzt im rechten Kolben. Da die Stopfbuchse auch etwas undicht war, versuchte ich diese bei eingebautem Zylinder mit Teflonband neu zu verpacken. Die Zugänglichkeit sehr begrenzt. Ihr ahnt was kommt..., nun ist es noch schlechter.
Jetzt bin ich angefangen, den Zylinder (mit Steuerkasten) auszubauen, damit ich die Stopfbuchse sorgfältiger verpacken kann. Ich dachte, daß ich den Zylinder nach Lösen des Gestänges und der Befestigungsschrauben am Rahmen einfach seitlich aus dem Zudampf- und Abdampfnippel herausziehen kann. So zeigt es meine Aufbauzeichnung (offenbar für ein neueres Modell). Das funktioniert jedoch nicht. Das Gewinderohr ist eingeschraubt (siehe Bild).
Die Gegenmutter ist gelöst, das Gewinderohr ist locker, sitzt jedoch noch im Innengewinde. Auch leichtes Aushebeln hilft nicht.
Hat jemand eine Idee zum Ausbau?
Danke!
Beste Grüße
Harm
stth - 22.11.20 20:41
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,

die Zylinder brauchst Du fürs Stopfbuchsen packen wirklich nicht abbauen. Wenn sie einmal locker sind, richte sie gerade aus und befestige sie wieder. Hoffentlich sind die Dichtungen in den Dampfnippeln immer noch dicht.

Teste erstmal ohne Last und ohne Stopfpackung, ob sich der Teflonkolben ordentlich im Zylinder bewegt. Zum Schutz des Kolbens siehe meinen älteren Beitrag in diesem Thread.

Wenn das gut geht: Stopfpackung einbringen. Dafür habe ich die im Schienendampfforum von Wolfgang beschriebene Methode erfolgreich eingesetzt: 7 cm Teflonband längs falten sodass ein 2mm breites Band entsteht. Dieses in mehreren deckungsgleichen Umdrehungen zwischen Zylinderdeckel und Stopfbuchsenschraube auf die Kolbenstange wickeln bis das Paket gerade noch so einfach in die Buchse schieben lässt. Rest abschneiden. Paket einschieben und Schraube mit der Hand eindrehen, bis die Kolbenstange beginnt, sich schwerer bewegen zu lassen. Dann wieder ein Stück lösen.

Der Kreuzkopf sollte jetzt nicht gegen die Kreuzkopfführungen drücken. Letztere sind im Model funktionslos.

Viele Grüße,
Stefan
sleepyHarm - 02.12.20 12:20
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Liebe Bahner,
Hurra, sie bewegt sich doch, aber nur dank Eurer Hilfe!!
Mit Druckluft (aus einem Fahrradreifen…) fängt die aufgebockte Lok bei ca 2,2 bar sich zu bewegen, rückwärts etwas leichter als vorwärts, aber noch ziemlich ruckelig. Am meisten „hakt“ es in den Totpunkten. Auch wenn ich längst noch nicht am Ziel bin, ist es für mich schon ein Lichtblick.

Wie bin ich dahin gekommen?
Da auch der linke Schieberkastendeckel ziemlich undicht war und ich auch hier noch einen neuen Teflonkolben einbauen wollte, entschied ich mich, das Umlaufblech zu demontieren, was die Demontage des kompletten Oberteils bedeutet... Dafür gibt es einfachen Zugang auf die Schieber. Für mich hatte das den Vorteil, daß sich mir die Zusammenhänge Eurer Einstellhinweise und das Zusammenwirken der Komponenten viel klarer wurden. Auch wurde es damit möglich die Schieberabmessungen sowie die Lage der Zudampfbohrungen aufzunehmen und die Mittenstellung hinzubekommen. Die Schrauben der linken waren fast alle lose, eine fehlte.

Aktueller Zustand:
a.) Im aufgebockten, laufenden Zustand wird die Treibradachse durch Kuppel- und/oder Treibstangen von links nach rechts und vice versa gedrückt. Ich werde hier die Spurweite kontrollieren und schauen, welche Stange möglicherweise verbogen ist.
b.) Die neuen Kolben laufen etwas schwerer als die vorherigen. Ich habe verstanden, daß sich das nach einigen heißen Betriebsstunden bessert.
c.) Im linken Steuerschieber saß die Steuermuschel fest. Wurde wieder gangbar gemacht.
d.) die Kreuzköpfe laufen frei auf der Gleitbahn
e.) Der linke Schieberdeckel ölt nach wie vor trotz neuer Dichtungen (vor Einbau eingeölt). Habe gelesen, daß sich dieses im Laufe des Betriebes legt.
f.) Am meisten Sorge macht mir das Hakeln in den Totpunkten. Im zusammengebauten Zustand läßt sich das Treibrad um etwa 2-3° drehen, bei feststehendem Kolben. Diese Lose existiert auf beiden Seiten. Die einzelnen Buchsen sind nicht oval ausgeschlagen. Ich habe keine Ahnung, wie sich diese Lose auf das Fahren auswirkt. Ggf wird das Hakeln weniger, wenn die Lok mit ihrem Eigengewicht (als Schwungsmasse) auf dem Gleis fährt. Für ein Ausbuchsen fehlen mir die Möglichkeiten.
g.) Das Steuerungsgestänge schlackert etwas seitlich. Die aus den beiden Augen der Kurbelstange resultierenden Lose beträgt etwa 1/10 mm. Weitere Losen im Gestänge erkenne ich nicht.

Könnt ihr mir bitte mit einer Beurteilung, insbesondere zu Punkt f.) helfen?

Beste Grüße
Harm
volkerS - 03.12.20 15:16
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Hallo Harm,
etwas Luft ist in jedem Lager. Ok, es gibt auch spielfreie Passungen, dazu benötigt man aber das entsprechende Werkzeug. Wenn du von 2-3° schreibst, dann ist dies gerade in den Totpunkten relativ wenig, da reichen schon 1-2/100 für diese Bewegung. Du solltest deine Steuerung noch einmal genau kontrollieren und dabei den größten Fehler den man machen kann vermeiden, nämlich das Zurückdrehen, wenn du über einen gewünschten Punkt gekommen bist. Die Lok immer nur Vorwärts oder Rückwärts drehen, dann sind alle Lager unter Zug bzw. Druck und es gibt "theoretisch" kein Lagerspiel. Auch solltest du, wenn die Lok gefederte Achsen hat, niemals im aufgebockten Zustand etwas einstellen. Sobald die Lok dann auf den Gleisen steht hast du eine ganz andere Einstellung. Baue dir einen Rollenprüfstand, je nach Ausführung benötigst du dafür je Achse 2 oder 4 Kugellager.
2,2bar sind eindeutig zu viel. Sind die Stopfbuchsen dicht aber nicht festgezogen sollte sich die Lok mit 0,5bar in Bewegung setzen. Bei neuen Kolben kann dies anfangs etwas mehr sein, da hilft (kolbentypabhängig) ggfs. Öl im Zylinder. 2,2bar sind ein Zeichen für zu stramme Kolben oder Packungen in den Stopfbuchsen oder du hast eine Undichtigkeit im Schieber und es bläst Luft ab.
Volker
sleepyHarm - 06.12.20 14:11
Titel: Re: Regner Modell 995603 braucht Einstellhilfe
Es ist vollbracht! Die Lok läuft nun unter Dampf, vorwärts als auch rückwarts. Auch fährt sie selbsttätig an, so ab einem Druck von 0,9 bis 1,2 bar. Ich habe die Räder als auch die Steuerung abermals bei offenen Flachschiebern eingestellt. Auch sind Zylinder und Schieberkästen deutlich dichter als zu Beginn. Jetzt wird auf meinem kleinen Kreis noch etwas geübt, um sich an die Fernbedienung zu gewöhnen. Dann besorge ich mir noch Gleismaterial und wenn die Enkel Gefallen finden auch Wagen. Derzeit bin ich glücklich...
Bei Euch allen möchte ich mich sehr, sehr für Eure detaillierte Hilfe bedanken!! Es ist großartig, daß ihr Euer Wissen auch mit Laien wie mir teilt!! DANKE!

Euch allen wünsche ich eine gute Zeit
Harm

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